Salzburg: Ein Dorfprojekt für "Guck ins Tal"

27. November 2016, 14:00
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Es ist wohl die letzte Chance für das historisch wertvolle, aber baufällige Gut Guggenthal vor den Toren der Landeshauptstadt Salzburg

Mitte November war es so weit: In großer Besetzung schritt die Salzburger Landesregierung mit Helmen und Schaufeln zum fotogerechten Spatenstich für das neue Kunstdepot des Museums der Moderne Salzburg in der Flachgauer Gemeinde Koppl. Auf 4600 Quadratmetern errichtet der Salzburger Immobilienentwickler Mayweg Lagerflächen und Werkstätten direkt an der Wolfgangseebundesstraße. Die Investitionssumme: etwa acht Millionen Euro.

Das Museum mietet sich um 350.000 Euro pro Jahr ein. Der Vertrag läuft auf 40 Jahre. Das moderne Depot soll Ende 2017 bezugsfertig sein und wird vor allem die Sammlung der Generali-Kunstfoundation beherbergen.

Der Bau der Außenstelle des Museums markiert den Anfang eines der größten Revitalisierungsprojekte im Land Salzburg seit Jahrzehnten. 600.000 Quadratmeter umfasst das Grundstück des Gut Guggenthals – von der Wolfgangseestraße bis hinauf auf die Spitze des Gaisbergs. Herzstück des Gutes ist ein 92.000 Quadratmeter großes Areal mit einem wuchtigen Brauereigebäude und einer von Valentin Ceconi geplanten Villa aus dem 19. Jahrhundert.

Hochfliegende Pläne

Das einst von einem Salzburger Weinhändler finanzierte Architekturjuwel mit acht Meter hohen Kuppelsälen im Inneren steht als frühzeitlicher Industriebau zwar unter Denkmalschutz, verfällt aber zusehends. Anrainer beklagen zudem, dass in der Vergangenheit immer wieder wertvolle Teile wie etwa Wappenkartuschen herausgestemmt und gestohlen wurden. Nur die neugotische Filialkirche neben dem ehemaligen Brauereigebäude – mit einer Kanzel aus dem romanischen Dom der Stadt Salzburg – wurde renoviert.

An Ideen, was mit dem "Guck ins Tal" in erstklassiger Lage geschehen soll, mangelte es in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Knapp nach der Jahrtausendwende beispielsweise wollte das Österreichische Verkehrsbüro hier ein Hoteldorf errichten.

Daraus wurde ebenso wenig wie aus den hochfliegenden Plänen des Wiener Projektentwicklers Hubert Czernin. Dieser wollte gar eine Seilbahn auf den Salzburger Gaisberg bauen lassen.

Letzte Möglichkeit

Die vermutlich wirklich allerletzte Hoffnung, Guggenthal zu erhalten, ruht nun auf den Leuten von Mayweg. Sie haben die Liegenschaft erworben, dahinter steht eine nicht näher bezeichnete Investorengruppe.

Die Gesellschaft ist zumindest in Revitalisierungsdingen erfahren. Sie haben im Salzburger Stadtteil Kasern erfolgreich aus einer ehemaligen Glockengießerei ein gemischtes Zentrum für Veranstaltungen, Büros und Gastronomie geformt.

Im Unterschied zu so manchen Ideen der Vergangenheit versucht Markus Eberharter von Mayweg im STANDARD-Gespräch einen realistischen Blick zu vermitteln. "Die Dächer sind dicht", ist der einzige positive Befund, den er liefern kann. Sonst sei die Bausubstanz der seit Jahrzehnten ungenutzten Häuser und Hallen mehr als mürbe.

Wohnen für Familien und Senioren

Was Mayweg mit dem Gelände vorhat, beschreibt Eberharter mit einem Begriff: "Wir bauen ein kleines Dorf." Wohnungen für Familien und Senioren stehen im Zentrum der Pläne. Eberharter verspricht eine lockere Verbauung, man habe ja genügend Platz. Der alte Braugasthof soll wiederbelebt werden, mit ein paar Betten für Hochzeitsgesellschaften oder Seminare. Da dürfe ein Tanzboden auch nicht fehlen.

Auch sonst will Mayweg viel Dörfliches: Das Angebot müsse vom Nahversorger bis zum Frisör reichen, sagt Eberharter. Und eine Brauerei könnte auch entstehen. Die Pläne seien jedenfalls so sanft gestaltet, dass auch das Denkmalamt "mit an Bord ist".

Mit im Plan ist – man ist schließlich in Salzburg – auch eine touristische Nutzung. Ein Teil des Areals – knapp 19.000 Quadratmeter – sei so gewidmet. Und das nicht zu knapp: 250 Zimmer könnten hier entstehen. So ein Monster wolle man nicht. Mayweg verhandle daher zurzeit mit dem Land, die Bettenzahl deutlichst zu reduzieren, dafür soll eine bisher als Parkplatz gewidmete Fläche für eine lockere Wohnbebauung freigegeben werden. In Summe bewegt man sich laut Mayweg-Sprecher Eberharter im dreistelligen Millionenbereich. (Thomas Neuhold, 27.11.2016)

  • Die Spuren des Verfalls sind unübersehbar. Das ehemalige Brauereigebäude ist das zentrale Objekt in Guggenthal bei Salzburg.
    foto: thomas neuhold

    Die Spuren des Verfalls sind unübersehbar. Das ehemalige Brauereigebäude ist das zentrale Objekt in Guggenthal bei Salzburg.

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