Monte Paschi startet mit Tausch von Schulden in Aktienkapital

25. November 2016, 15:14
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Wirtschaftsministerium in Rom will milliardenschwere Kapitalerhöhung unterzeichnen – Alessandro Falciai neuer Verwaltungsratspräsident

Rom/Siena – Nachdem die Aktionäre der angeschlagenen italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) am Donnerstagabend einer geplanten Kapitalerhöhung von über fünf Milliarden Euro grünes Licht gegeben haben, startet das Geldhaus mit einem Tausch von Schulden in Aktienkapital. Für die Ausgabe neuer Aktien hat die Bank einen Höchstpreis von 24,90 Euro je Anteilsschein gesetzt, berichtete MPS am Freitag.

96,1 Prozent der MPS-Aktionäre hatten am Donnerstagabend der Kapitalerhöhung zugestimmt. Dabei handelt es sich um die dritte Kapitalerhöhung in drei Jahren. Die Aktionärsbasis der Bank ist stark zersplittert. Größter Eigner mit einem Anteil von vier Prozent ist das italienische Wirtschaftsministerium, das Monte dei Paschi in der Finanzkrise Geld geliehen hatte. Auf der Hauptversammlung waren 22,4 Prozent des Kapitals vertreten.

Das Wirtschaftsministerium werde sich an der Kapitalerhöhung beteiligen, berichtete Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan in einem Interview mit dem TV-Sender Sky Tg24. "Wir sind überzeugt, dass der Rettungsplan funktionieren wird", versicherte Padoan. Der 1472 gegründeten ältesten Bank der Welt machte in den vergangenen Jahren ein Berg fauler Kredite zu schaffen, deshalb muss sie dringend ihr Eigenkapital stärken.

Börse reagiert negativ

Das Board-Mitglied Alessandro Falciai ist inzwischen zum Präsidenten des Verwaltungsrates ernannt worden. Der Geschäftsmann folgt Massimo Tononi nach, der bereits angekündigt hatte, nach der Hauptversammlung am Donnerstag abzutreten.

Die Mailänder Börse reagierte negativ auf die jüngsten Entwicklungen bei Monte Paschi. Wegen Verlusten von über fünf Prozent musste die MPS-Aktie am Freitagvormittag vorübergehend vom Handel ausgesetzt werden. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen verlor das Papier sieben Prozent und fiel auf 0,214 Euro.

Beim europäischen Bankenstresstest 2014 und in diesem Sommer hatte Monte dei Paschi jeweils am schlechtesten abgeschnitten. Gleichzeitig ist die Bank Insidern zufolge auf der Suche nach Ankerinvestoren, die einen großen Teil der Kapitalerhöhung zeichnen sollen. Zu ihnen gehört früheren Informationen zufolge der katarische Staatsfonds QIA.

Die Bank wird laut Prognosen das Jahr 2016 mit einem Verlust von 4,8 Mrd. Euro abschließen. Für die ersten drei Quartale 2016 meldete sie 849 Mio. Euro Verlust. Geplant ist die Auslagerung von notleidenden Krediten im Wert von 27,6 Mrd. Euro in eine Sondergesellschaft, die dafür 9 Mrd. Euro zahlen soll. (APA, 25.11.2016)

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