UN-Sondergesandter befürchtet völlige Zerstörung Ostaleppos

25. November 2016, 11:28
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De Mistura: Regime strebt rasche Entscheidung an, die aber zu einem Guerillakrieg führen würde

Damaskus – Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, warnt vor einer völligen Zerstörung des Ostteils von Aleppo im syrischen Bürgerkrieg. Wenn das Bombardement so weitergehe, "wird es zu Weihnachten kein Ostaleppo mehr geben", sagte de Mistura der "Süddeutschen Zeitung".

Er habe den Eindruck, dass die syrische Führung dort eine beschleunigte militärische Entscheidung anstrebt. Im belagerten Osten der Stadt sind nach seinen Angaben schätzungsweise 255.000 Menschen eingeschlossen.

Zehntausende Flüchtlinge befürchtet

Den Regierungstruppen könne es zwar gelingen, die Rebellengebiete in Ostaleppo zu übernehmen, "wenn es fast zerstört ist", sagte de Mistura. In diesem Fall drohe aber eine "große Tragödie für die Menschen", es würde "zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen". De Mistura hatte am Wochenende versucht, eine Waffenruhe für Ostaleppo zu erreichen, das Regime von Machthaber Bashar al-Assad habe jedoch abgelehnt.

Selbst wenn es der Regierung gelinge, Ostaleppo zurückzuerobern, könne der Konflikt nur durch eine politische Lösung dauerhaft beigelegt werden, betont der Sondergesandte. Andernfalls befürchte er "für die nächsten Jahre einen fortgesetzten Guerillakrieg in den ländlichen Gebieten sowie Autobomben in den Städten".

Die humanitäre Lage spitzt sich dort immer weiter zu. "Die Lebensmittelvorräte im östlichen Teil der Stadt gehen zur Neige", sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Viele Grundnahrungsmittel seien sehr teuer oder gar nicht mehr zu kaufen.

Türkischer Soldat getötet

Bei Gefechten mit IS-Kämpfern im Norden Syriens ist indes am Freitag ein türkischer Soldat getötet worden. Fünf weitere seien leicht verletzt worden, teilte die Armee mit. In den vergangenen 24 Stunden habe es zudem unter den von der Türkei unterstützten Rebellen vier Tote und 25 Verletzte gegeben.

Die Türkei geht seit August zusammen mit syrischen Aufständischen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vor. Mit der Offensive will sie aber nicht nur IS-Kämpfer, sondern auch die syrische Kurdenmiliz YPG von ihrer Grenze vertreiben. Am Donnerstag starben bei einem Luftangriff in der Region drei türkische Soldaten. Das Militär machte syrische Regierungstruppen für das Bombardement verantwortlich. (APA, 25.11.2016)

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