Verteuerung der Welt: Steigende Inflation erwartet

2. Jänner 2017, 12:44
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Brexit und Trumps Wahlsieg haben eines gemein: Beides sollte die Teuerung im jeweiligen Land kräftig anheizen

Die Urnengänge des vergangenen Jahres hatten fraglos historischen Charakter, und das durchaus auch für Investoren. Schließlich sind sie mit radikalen wirtschaftspolitischen Kurswechseln verbunden, welche auch die Folgejahre prägen sollten. Eines haben die Entscheidung der Briten, der Europäischen Union den Rücken zu kehren, und die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten gemein: Beides sollte die Teuerung im jeweiligen Land kräftig anheizen.

Das zeigen auch die Inflationserwartungen für die kommenden fünf Jahre, die in Großbritannien im zweiten Halbjahr um gut einen Prozentpunkt auf mehr als 3,5 Prozent angestiegen sind. Kein Wunder, schließlich befand sich das Pfund seit dem Brexit zeitweise im freien Fall, was bedeutet, dass sich importierte Güter und Dienstleistungen im Gleichschritt verteuern. Dazu kommt die Ungewissheit, wie sich die Handelsbeziehungen zur EU nach dem Austritt gestalten werden.

Nicht weniger spektakulär ist der Ausschlag nach oben bei den Inflationserwartungen auf der anderen Seite des Atlantiks, die nach der Präsidentschaftswahl um einen halben Prozentpunkt auf knapp 2,5 Prozent kletterte. Trumps angekündigte Wirtschaftspolitik zielt fast offen darauf ab, der Teuerung auf die Sprünge zu helfen.

Etwa durch die angekündigten Steuererleichterungen, das angepeilte Investitionsprogramm für Uncle Sams marode Infrastruktur oder auch die restriktive Handelspolitik, mit der der nächste Präsident Billigimporten einen Riegel vorschieben will, um amerikanischen Produzenten diese Konkurrenz vom Hals zu halten.

Geldpolitik als Wegbereiter

Bei den Inflationserwartungen handelt es sich gewissermaßen um selbsterfüllende Prophezeiungen. Erwarten Haushalte oder Wirtschaftstreibende künftig höhere Preise für bestimmte Waren und Güter, erwerben sie diese zeitnah und tragen durch diese zusätzliche Nachfrage bereits zu deren Verteuerung bei. Gleichzeitig ist im Jahr 2016 auch der Abwärtstrend der Rohstoffpreise, allen voran bei Erdöl als Schmiermittel der Weltwirtschaft, allen Anschein nach zum Erliegen gekommen. Die Produzenten von Gütern und Dienstleistungen können nicht mehr wie zuvor dadurch entstandene Kostenvorteile an ihre Abnehmer weiterreichen.

Jedenfalls dürfte den Bevölkerungen in den Wahllokalen geglückt sein, woran die Notenbanken allein zu scheitern drohten – nämlich den allgemeinen Preisauftrieb auf das Zielniveau von rund zwei Prozent zu hieven. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass die Währungshüter mit ihren schweren geldpolitischen Geschützen gewissermaßen den Weg für die nun erwartete Reflationierung geebnet haben. Denn durch deren massive Ausweitung der Geldmengen wurde der monetäre Grundstein gelegt, um einen Preisauftrieb mit der nötigen Liquidität zu versorgen.

Auf die Finanzmärkte wirkt sich eine steigende Inflation je nach Anlageklasse unterschiedlich aus. Diesbezüglich besonders sensibel sind Geldversprechen jeglicher Art, zu denen auch Anleihen zählen. Schließlich verringert die jährliche Teuerung die Kaufkraft der Schuldentilgung, die mitunter noch in weiter Ferne liegen kann. Dies wird zumeist dadurch kompensiert, dass die Anleger im Gegenzug eine höhere Verzinsung fordern – wie es die zuletzt steigenden Renditen beiderseits des Atlantiks bereits andeuteten. Obwohl kein Geldversprechen, dürften in weiterer Folge auch Immobilien leiden, da die Käufe zum Großteil kreditfinanziert erfolgen. Höhere Zinsen dämpfen daher die Nachfrage.

Sachwerte bevorzugt

Wesentlich besser ist es in einem inflationären Umfeld um Sachwerte bestellt, die ihren Wert gewissermaßen in sich tragen. Dazu zählen natürlich unverderbliche Rohstoffe oder auch Aktien, die einen bestimmten Eigentumsanteil an einem Unternehmen verbriefen, dessen Wert sich vorrangig an der Ertragskraft der Firma orientiert.

Allerdings schadet steigende Inflation dennoch ab einem gewissen Grad. Die Notenbanken werden die Leitzinsen im Gleichschritt mit der Teuerung nach oben schrauben, bis irgendwann die Konjunktur abgewürgt wird. Dies würde freilich sehr wohl auf die Unternehmensgewinne und damit auch auf die Aktienkurse durchschlagen. Aber selbst wenn die US-Notenbank Fed im kommenden Jahr, wie übrigens von Trump gefordert, die Zinsen in Trippelschrittchen anhebt, dürfte der konjunkturelle Wendepunkt – zumindest nach historischen Maßstäben – noch nicht erreicht sein.

Selbst in der Eurozone beginnt sich die Teuerung zu regen, und in weiterer Folge dürfte der Preisauftrieb früher oder später auf den gemeinsamen Währungsraum überschwappen. Voraussetzung dafür, dass auch die EZB die Normalisierung ihrer Geldpolitik auf Schiene bringen kann.

Tritt die erwartete Reflationierung im nächsten Jahr tatsächlich ein, kann zehn Jahre nach dem ersten Aufflackern der Finanzkrise diese erstmals als abgehakt betrachtet werden. Wobei auch dies Gewinner und Verlierer hervorbringen wird. (Alexander Hahn, Portfolio, 2016)

  • Selbst in der Eurozone beginnt sich die Teuerung zu regen.
    foto: lukas friesenbichler

    Selbst in der Eurozone beginnt sich die Teuerung zu regen.

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