Weltbörsen: Hoffnung für Japan

5. Jänner 2017, 12:34
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Das Zustandekommen des Freihandelsabkommens mit den USA und die Yen-Entwicklung beschäftigen Japans Märkte

Fast 1000 Punkte rasselte der Nikkei-Index am Tag nach Donald Trumps überraschendem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl in die Tiefe, um tags darauf um 1092 Punkte zu steigen. Möglicherweise hat die versöhnliche erste Ansprache des künftigen Präsidenten dazu beigetragen.

Auf jeden Fall zeigte sich hier einmal mehr, dass politische Börsen kurze Beine haben. Klar ist aber, dass man in Japan mehr Angst vor einem isolationistischen Amerika hat, als das in Europa der Fall ist, und wahrscheinlich werden auch die Börsen in Japan und Ostasien in den nächsten Monaten sensibler auf die wirtschaftspolitischen Ankündigungen Trumps reagieren als jene in Europa.

Japans Wirtschaft und Politik sind ja – trotzdem China mittlerweile Japans Handelspartner Nummer eins ist – noch immer sehr auf die USA fixiert. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und dem Asien-Pazifik-Raum (TPP) würde Japan noch stärker an die USA binden.

Aber Donald Trump kündigte ja bekanntlich an, dass er die geplanten Handelsabkommen nicht in Kraft setzen wolle, weil dies amerikanische Arbeitsplätze koste. Allerdings sagte er auch, er sei sehr, sehr flexibel. In Wirklichkeit weiß niemand, wie ernst seine protektionistische Wahlkampfrhetorik zu nehmen ist. So hat die Börse wohl nur vernünftig reagiert, wenn am Markt die Kurse am Tag nach der Wahl die Verluste vom Vortag wieder wettgemacht werden konnten.

Keinerlei Fantasie für die Börse

Das japanische Parkett hat heuer gleich im Jänner seinen bisherigen Jahreshöchststand mit fast 19.000 Punkten erreicht. Allenthalben herrschte damals die Hoffnung, die 20.000er-Marke könne wieder überschritten werden. Aber in dem Maß, in welchem der Glaube an den Erfolg von Abenomics dahinschwand, gab es auch keinen Spielraum mehr für steigende Aktienkurse.

Am Tag nach Donald Trumps Wahl stand der Leitindex Nikkei 225 bei 17.344 Punkten. Nachdem die Bank von Japan jetzt gar die Erreichung der zwei-prozentigen Inflationsrate, die eine selbsttragende Konjunktur ermöglichen soll, erst für 2018 anpeilt, steckt von dieser Seite in Abenomics aktuell keinerlei Fantasie für die Börse. Hinzu kommt, dass der japanische Yen dieses Jahr gegenüber dem Dollar von 117 auf 106 Yen stieg, was die Gewinne vieler Exportfirmen dezimiert hat. Das war der Börsenfantasie ebenfalls abträglich.

Die Frage ist, wo der Yen-Kurs unter Trumps Präsidentschaft hingehen wird. Eisuke Sakakibara, ein ehemaliger Bürokrat des Finanzministeriums, auch Mr. Yen genannt, hielt in einem Interview mit Bloomberg einen Anstieg der Landeswährung auf 90 Yen für einen Dollar bis Mai nächsten Jahres für möglich. Andererseits könnten Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme, wovon in Trumps Wahlkampf auch viel die Rede war, den Dollar auch auf Talfahrt schicken, weil diese Maßnahmen nur über eine stärkere Verschuldung der USA zu realisieren sind.

Vorwurf der Manipulation

Japan hatte Trump ja schon im Wahlkampf die Manipulation der Währung vorgeworfen. Das dürfte es der Bank von Japan schwermachen, im Fall eines fallenden Dollar ihrerseits den Yen mittels weiteren Aufkaufs japanischer Staatspapiere zu verbilligen. Das würde die Gewinnaussichten japanischer Exportfirmen minimieren und die Aussicht auf steigende Kurse in Grenzen halten.

Unterstützung für Japans Aktien könnte von dem Treffen zwischen Premier Shinzo Abe und Russlands Präsident Wladimir Putin im Dezember kommen, im Zuge dessen beide in einem Onsen, einem japanischen heißen Bad, über die Zukunft der Kurilen verhandeln werden. Falls es dort zu einer Vereinbarung kommt, die in großem Ausmaß Geschäfte japanischer Firmen in Sibirien beinhaltet, könnte das den Aktienmarkt beleben. (Siegfried Knittel, Portfolio, 2016)

  • Der Weg fürs Freihandelsabkommen wackelt.
    foto: imago / aflo

    Der Weg fürs Freihandelsabkommen wackelt.

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