Fund bestätigt, dass es tief im Erdmantel Wasser gibt

27. November 2016, 20:06
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Von einem Vulkan ausgespuckter Diamant weist auf Wassermengen in 1.000 Kilometern Tiefe hin

Evanston – Dass im Erdmantel große Mengen an Wasser gespeichert sein dürften, ist eine noch recht junge Erkenntnis. Science-Fiction-Autor Stephen Baxter strickte daraus 2009 den Katastrophenroman "Die letzte Flut", in dem diese Wassermassen auszutreten beginnen und die Erde bis weit über den Gipfel des Mount Everest hinaus überfluten.

Der Geologe Steve Jacobsen von der Northwestern University in Evanston findet dieses Szenario gar nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick klingt. Zumindest bestätigte er gegenüber dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist", dass wir alle überflutet würden, wenn das Mantelwasser, von dessen Existenz man die längste Zeit nichts geahnt hatte, nicht tief unter der Erdkruste gebunden wäre.

Kostbarer Fund

Jacobsens Team konnte nun einen neuen Hinweis darauf vorlegen, wie tief die Wasservorräte wirklich hinunterreichen. Als Indiz dient ein in Brasilien gefundener Diamant, der vor etwa 90 Millionen Jahren von einem Vulkan an die Oberfläche befördert wurde. Dieser Diamant enthält eine Unreinheit – einen Einschluss von anderen Mineralien, der nach der Bildung des Diamanten erhalten geblieben ist.

In diesem Einschluss fanden die Forscher überall Hydroxyl-Ionen, die in der Regel von Wasser herrühren. Aus der chemischen Zusammensetzung der Verunreinigung schließen die Forscher, dass sich der Diamant in etwa 1.000 Kilometern Tiefe gebildet haben muss – und dass dort Wasser vorhanden gewesen sein muss. Das ist immerhin ein Drittel des Weges zum Erdkern, wie der "New Scientist" betont, und deutlich tiefer als ein ähnlicher Fund, der vor zwei Jahren vermeldet wurde und aus 400 bis 600 Kilometern Tiefe stammt.

Jacobsen zieht daraus den Schluss, dass der irdische Wasserkreislauf bis tief in den Mantel reicht und dass der Wasservorrat der Erde insgesamt deutlich größer ist als bisher gedacht. Möglicherweise bedeute dies auch, dass nicht erst Kometen Wassereis für die Urozeane der jungen Erde liefern mussten, wie es eine derzeit sehr beliebte Theorie besagt. Möglicherweise hatte unser Planet schon vom "ersten Tag" an große Mengen an Wasser. (red, 27. 11. 2016)

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