Finanzzusagen im Klimaschutz wackeln wegen Trump

25. November 2016, 09:00
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Industrieländer müssen ab 2020 100 Milliarden Dollar pro Jahr aufbringen

Wien – Der bei der Konferenz in Marrakesch gezeigte Enthusiasmus über die globale Klimapolitik kann Stefan Schleicher, Professor am Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel in Graz, nicht teilen. "Die Klimapolitik könnte sehr bald mit einer ganz anderen Wirklichkeit konfrontiert werden", sagt er zu der STANDARD.

Der wundeste Punkt sei die Finanzierung der von den Industriestaaten gemachten Zusagen. Die reichen Länder haben versprochen, ab 2020 jährlich die enorme Summe von hundert Milliarden Dollar, 95 Milliarden Euro, aufzubringen. Damit sollen die größten Folgen der Erderwärmung in den armen Ländern abgemildert werden.

Der Finanzanteil der USA, deren Klimaschutzpolitik nach dem Sieg Donald Trumps als US-Präsident völlig offen ist, ist dabei noch nicht fixiert worden. Legt man die Wirtschaftsleistung zugrunde, was in unverbindlichen Papieren auch so durchgerechnet wurde, müssten die USA etwa die Hälfte stemmen.

25 Millionen US-Dollar aus Österreich

Doch dürfen in solche Finanzzusagen bestehende Finanzströme hineingerechnet werden: Entwicklungshilfe oder Finanzierungen und Kreditbegünstigungen für Projekte in den Entwicklungsländern. Dies wird auch in Österreich so praktiziert. Laut Büro von Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hat Österreich 25 Millionen Dollar bis 2018 zugesagt. Dazu kommen noch der gemeinsame Beitrag der EU und Zahlungen aus anderen Ressorts. "Für die internationale Klimafinanzierung werden wir in den nächsten vier Jahren eine Milliarde Euro aufbringen", heißt es.

Dazu kommen noch der gemeinsame Beitrag der EU und andere Zahlungen. "Für die internationale Klimafinanzierung werden wir in den nächsten vier Jahren schon etwa eine Milliarde Euro aufbringen", heißt es. Solche Mittel gehen in den "Green Climate Fund". Es ist dies die Finanzinstitution der Klimaorganisation UNFCCC. Aufgabe des Fonds ist es, Geld für Projekte zur Minderung von Treibhausgasemissionen oder zur Klimawandel-Anpassung in Entwicklungsländern bereitzustellen.

Finanzmächtige Maschinerie

Schleicher könnte sich vorstellen, dass der künftige US-Präsident diese Institution, die ihren Sitz in Südkorea hat, bald kritisch hinterfragen wird. Denn die UNFCCC mit ihren regelmäßigen, weltweit abgehaltenen Klimakonferenzen ist zu einer finanzmächtigen Maschinerie geworden.

Zwar habe sich Trump zuletzt nicht ganz so ablehnend zur vom Menschen verursachten Erderwärmung ausgesprochen. Doch habe Trump viele Möglichkeiten zwischen einem abrupten Blockieren und einem einfachen Ignorieren der Vorgaben der internationalen Klimapolitik. (Johanna Ruzicka, 25.11.2016)

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