Überraschender Mechanismus: Wie Siebenschläfer ihre Zellen jung halten

24. November 2016, 14:27
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Schutzkappen an den Chromosomen der Tiere werden erstaunlicherweise mit zunehmendem Alter länger

Wien – Siebenschläfer erreichen ein Alter von bis zu 13 Jahren – im Vergleich zu anderen kleinen Wildtieren ein regelrechtes Methusalem-Alter ist. Das sei kein Wunder, denn ihr Erbgut schrumpft beim Älterwerden nicht an den Enden, wie bei Menschen und vielen anderen Tieren, sondern bekommt immer längere Schutzkappen (Telomere), fanden Wiener Forscher heraus. Das hält offenbar die Zellen der Nager jung, berichten sie im Fachjournal "Scientific Reports".

Die Forscher um Franz Hölzl vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben Mundschleimhautproben von Siebenschläfern unterschiedlichen Alters aus 130 Nistkästen im Wienerwald gewonnen und das Erbgut der Zellen darin untersucht. Bei ein- bis fünfjährigen Tieren nahm die Telomerlänge zunächst ab, doch ab sechs Jahren begannen die Telomere wieder zu wachsen und wurden immer größer, je älter die Tiere waren.

Dabei hatte ausschließlich das Alter der Tiere einen signifikanten Einfluss. Die Länge der Telomere war weder vom Geschlecht der Tiere, noch vom Zeitpunkt der Probennahme oder dem Körpergewicht abhängig. Auch ein Zusammenhang mit der Fortpflanzungsaktivität konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Verschobener Zelltod

Telomere schützen zusammen mit Proteinen das Erbgut an den Enden vor Abbau, werden aber bei jeder Zellteilung kürzer. Wenn sie aufgebraucht sind, können sich die Zellen nicht mehr teilen, werden altersschwach und sterben schließlich. Wie schnell diese Schutzkappen verbraucht werden, ist bei einzelnen Spezies sehr unterschiedlich. Bei kurzlebigen Wildtieren passiert der schrittweise Rückgang viel schneller als bei langsam alternden Spezies mit hoher Lebenserwartung.

Es sei sehr ungewöhnlich, dass Siebenschläfer die Telomere ihrer Körperzellen verlängern können und damit länger jung bleiben, so die Wissenschafter. Bei Menschen und den meisten anderen Tieren geschehe so etwas nur in Keimbahn-, Stamm-, und Krebszellen. (APA, red, 24. 11. 2016)

  • Bei jungen Siebenschläfern schrumpfen die Telomere, ab einem gewissen Alter kehrt sich der Effekt jedoch um.
    foto: vetmeduni vienna

    Bei jungen Siebenschläfern schrumpfen die Telomere, ab einem gewissen Alter kehrt sich der Effekt jedoch um.

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