Schließung von Dadaab bis Mai laut NGO "fast unmöglich"

24. November 2016, 13:54
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Kenianische Regierung will weltgrößtes Flüchtlingslager in sechs Monaten schließen – 275.000 Flüchtlinge im Lager kommen großteils aus Somalia

Nairobi – Im April hat die kenianische Regierung angekündigt, das größte Flüchtlingscamp der Welt in Dadaab zu schließen. Mitte November verschob die Regierung in Nairobi auf Bitte des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) die für Ende November geplante Schließung um sechs Monate. Ninja Taprogge von der Hilfsorganisation CARE glaubt aber nicht an eine "vollständige Schließung", wie sie am Mittwoch der APA sagte.

Grundsätzlich begrüße CARE die Entscheidung, die Räumung des Camps zu verschieben, doch auch in sechs Monaten "wird das ein riesengroßer Kraftakt", zeigte sich die Deutsche, die für die Medienarbeit von CARE in Dadaab verantwortlich ist, überzeugt. Dennoch gehe sie "stark davon aus, dass, wenn es die Sicherheitslage in Somalia erlaubt, mehr Menschen zurückgeschickt werden", sagte Taprogge. Aber es sei "fast unmöglich das Camp bis Mai 2017 zu schließen", immerhin lebten 275.000 Leute hier.

95 Prozent der Flüchtlinge in dem seit 25 Jahren bestehenden Lager im Nordosten Kenias seien aus Somalia, der Rest aus dem Südsudan, Ruanda und Burundi, so Taprogge. "Ursprünglich war das Camp für 90.000 Leute konzipiert, während der großen Dürre 2011 lebten sogar 400.000 Menschen im Lager" und daher sei klar, dass Dadaab "keine nachhaltige Lösung" sei.

Zehntausende freiwillige Rückkehrer

2016 seien ungefähr 30.000 Menschen freiwillig nach Somalia zurückgekehrt, so Taprogge. Man müsse aber unterscheiden zwischen jenen, die etwa während der großen Dürre 2011 gekommen seien, "da gibt es viele, die sich vorstellen können nach Somalia zurückzukehren", und jenen, die seit 25 Jahren in Dadaab lebten. Hier seien die Kinder im Lager geboren und diese Familien "wollen eher nicht zurückkehren, weil sie sich das Leben in Somalia nicht vorstellen können" und oft auch keine Familie mehr in Somalia hätten. Auf jeden Fall müsse bei einer Rückführung darauf geachtet werden, dass die Sicherheitslage dies erlaube und die Menschen Möglichkeiten hätten in Somalia zu leben.

Das UNHCR "managt das Camp und CARE ist für drei der fünf Bereiche des Lagers, Ifo 1 und 2 und Dagahaley, zuständig", erzählte Taprogge. Neben der Versorgung mit Nahrung, Wasser und Schulbildung fördere CARE den Bau von Sanitäranlagen und Hygienemaßnahmen. Außerdem unterstütze die Hilfsorganisation vor allem Frauen um gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt zu kämpfen.

Für Sicherheit sorge die kenianische Polizei, die im Camp stationiert sei, so Taprogge. Zwar sei die "Sicherheitslage in Somalia sehr schwierig und Dadaab ist nur 100 Kilometer von Somalia entfernt", doch in ihren persönlichen Gesprächen mit Flüchtlingen habe sie noch nichts von Rekrutierungen durch die Terrormiliz Al-Shabaab gehört, so Taprogge. Die kenianische Regierung hatte die geplante Schließung des Lagers damit begründet und gemeint, dass sich auch Islamisten im Lager versteckt halten.

1.500 angestellte Flüchtlinge

Im Camp gebe es Märkte, wo die Leute arbeiten, einkaufen und die Kinder zur Schule gehen könnten. Mit Unterstützung der EU Kommission beschäftige CARE 1.500 Flüchtlinge, die als Lehrer, Installateure oder bei der Lebensmittelverteilung angestellt seien. Darüber hinaus seien 400 Mitarbeiter aus Kenia und zwei Mitarbeiter aus Kanada im Lager beschäftigt, berichtete Taprogge.

"Die Reisebedingungen für Flüchtlinge im Camp sind sehr eingeschränkt, Flüchtlinge haben keine Arbeitserlaubnis in Kenia", daher böten die Märkte im Lager die einzige Arbeitsmöglichkeiten. "Wenn das Camp geschlossen wird, hat das auch große Auswirkungen auf die Gemeinden in der Umgebung", warnte Taprogge, immerhin profitiere die Region wirtschaftlich vom Lager.

Einmal im Monat gebe es eine Nahrungsmittelverteilung des Welternährungsprogramms (WFP), wobei die Leute nur "das Nötigste" erhielten, Reis zähle etwa nicht dazu, Wasser gebe es nur literweise. Als das WFP aufgrund finanzieller Engpässe die Rationen um 30 Prozent kürzen musste, hätten dies die Menschen sehr wohl negativ gespürt.

Überhaupt herrsche im Camp große Armut, die Menschen "wohnen unter Wellblechdächern und in Zelten, nur wer auf den Märkten etwas Geld verdienen kann, kann sich eine Lehmhütte leisten". Daher sei es auch unrealistisch, dass die Menschen bei einer Schließung des Lagers nach Europa aufbrechen könnten, dafür fehle ihnen einfach das Geld. (APA, 24.11.2016)

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