Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremen und Migranten auf Chios

24. November 2016, 11:30
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150 Flüchtlinge verließen Lager – Flüchtlinge plünderten laut Medien Geschäft mit Feuerwerkskörpern

Athen – Seit einigen Tagen sorgen wiederholte Angriffe gegen Flüchtlinge auf der griechischen Insel Chios für Schlagzeilen. Augenzeugen machen Mitglieder und Sympathisanten der rechtsextremistischen Partei "Goldene Morgenröte" für diese Angriffe verantwortlich. Auf Flüchtlinge seien Steine, Rauchbomben und Molotowcocktails geworfen worden. Mehrere Menschen erlitten dabei schwere Verletzungen.

Eine schwangere Frau wurde mit einem Schock in ein Spital eingeliefert. Ein syrischer Flüchtling wurde vergangenen Freitag nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) schwer am Kopf verletzt, als Unbekannte von der Festung am Hafen einen Stein auf das dortige Flüchtlingslager warfen. Nach Informationen der griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA wurden zwei Zelte zerstört. Daraufhin verließen 150 Menschen das Lager. Rund hundert Flüchtlinge waren dem UNHCR zufolge obdachlos.

Abweichende Versionen

Gemäß der Regionaltageszeitung "ChiosNews" attackierten die Extremisten mehrere Migranten mit Stangen. Bilder zeigten große Felsbrocken in den Zelten, die die Rechtsextremen geschmissen haben sollten. Amnesty International forderte die griechischen Behörden auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit auf der Insel wieder herzustellen.

Das "Solidaritätskomitee" für die Flüchtlinge in Chios machte die Mitglieder der "Goldenen Morgenröte" für das Chaos auf der Insel verantwortlich. Die Rechtsextremen wollten Panik unter den Einheimischen verbreiten und Flüchtlinge terrorisieren, hieß es seitens des Solidaritätskomitees. Zwei Mitglieder seien von Rechtsextremen und Neonazis verprügelt worden, obwohl Polizeikräfte vor Ort waren.

Allerdings gibt es auch eine andere Version der Ausschreitungen. So berichteten lokale Medien, dass zunächst eine Gruppe von Migranten ein Geschäft mit Feuerwerkskörpern geplündert hatte und diese anschließend im Auffanglager "Souda" abgefeuert hätte. Die Feuerwerkskörper sollten auch auf Häuser in der Nachbarschaft geworfen worden sein, so dass die Bewohner in Panik auf die Straßen eilten, so die Medien.

Kritik an Opposition

Der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas nimmt angesichts der angespannten Lage auch die Inselbewohner in die Verantwortung. "Die Verwaltung und die Oppositionsparteien stellen uns Hindernisse in den Weg", sagt Mouzalas am Donnerstag in der Früh dem Fernsehsender Skai. Es seien Geld, Pläne und sogar ein entsprechender Ort vorhanden, um ein neues Auffanglager für die Flüchtlinge zu bauen, sagte Mouzalas. Innerhalb eines Monats könne es fertig sein. Er vermute, dass der Bürgermeister dem Druck der Bevölkerung nachgebe, die wiederum systematisch von Rechtsradikalen aufgewiegelt werde. Der Inselbürgermeister Manolis Vournous hingegen begründete die Ablehnung eines neuen Lagers damit, dass das Vertrauen in die griechische Regierung zerstört sei.

Die Inselbewohner fürchten, ein neues Lager könne aus der Touristeninsel Chios dauerhaft eine Flüchtlingsinsel machen. Chios beherbergt derzeit mehr als 4.000 Migranten, denen nur 1.100 Plätze zur Verfügung stehen. (APA, 24.11.2016)

  • Chios: Ein verbranntes Zelt im Flüchtlingslager.
    foto: apa/afp/pantelis fykaris

    Chios: Ein verbranntes Zelt im Flüchtlingslager.

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