Lufthansa-Piloten streiken am Freitag und Samstag weiter

24. November 2016, 23:41
160 Postings

Mehr als 315.000 Passagiere sind von Flugausfällen betroffen – auch in Österreich. Lufthansa-Vorstand plädiert für Schlichtung

Frankfurt – Die Lufthansa richtet sich mitten im dreitägigen Streik der Gewerkschaft Cockpit an die Flugzeugführer. "Ich appelliere an die Piloten, Cockpit unter Druck zu setzen, damit wir an den Verhandlungstisch kommen", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister am Donnerstag. Er plädiere für eine Schlichtung.

Die Kosten des Streiks seien hoch. Der direkte Schaden aus den ersten beiden Streiktagen belaufe sich für die Airline auf etwa 20 Millionen Euro. "Wir haben nicht nur einen akuten Schaden, sondern merken in den mittelfristigen Buchungszahlen, dass sich das Buchungsverhalten ändert", sagte der Manager. Mehr als 315.000 Passagiere sind an den Streiktagen von 2.618 Flugausfällen betroffen.

900 Flüge gestrichen

Cockpit bestreikt die größte deutsche Fluglinie seit Mittwoch für drei Tage. Allein für Donnerstag strich die Airline gut 900 Flüge, nachdem bereits am Mittwoch 880 Verbindungen ausgefallen waren. Für Freitag forderte die Gewerkschaft alle Kurzstrecken-Piloten dazu auf, die Arbeit niederzulegen. Insgesamt werden an dem Tag 830 Inlands- und Europaflüge ausfallen. Die Langstrecke sollte am Freitag "nahezu planmäßig" bedient werden. Betroffen werden rund 100.000 Passagiere sein. Am Wiener Flughafen fallen am Freitag erneut alle 22 Lufthansa-Flüge aus, in Graz sind es zwei.

Auch am Samstag wird weitergestreikt. Dann seien alle Langstreckenverbindungen betroffen, die von Mitternacht an aus Deutschland abfliegen sollten, teilte die Pilotenvertretung am Donnerstagabend mit.

Am Donnerstag waren in Österreich Flüge zwischen Frankfurt und München sowie Wien und Graz betroffen. Von Wien aus fielen 22 Flüge aus, von Graz aus war ein Teil der München-Verbindungen betroffen. Die Lufthansa-Tochter AUA flog dafür mit größeren Flugzeugen und konnte dadurch 200 bis 300 Sitze pro Tag zusätzlich anbieten.

Unterschiedliche Interessen

Die deutsche Pilotengewerkschaft fordert rückwirkend ab 2012 eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent im Jahr. Die Lufthansa bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren. Es ist der 14. Streik in der seit April 2014 schwelenden Auseinandersetzung. "Die Ausgangslage ist, dass wir deutlich mehr zahlen als die Konkurrenz", sagte Hohmeister. So gesehen müsse der Konzern eigentlich ein dickes Minus fordern. "Es ist klar, wer sich bewegen muss." Doch verfolge Cockpit offenbar noch andere Interessen.

Unterdessen forderte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Michael Fuchs ein Gesetz zur Zwangsschlichtung. "Es kann nicht sein, dass ein paar Piloten immer wieder Hunderttausende in Geiselhaft nehmen", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. (APA, Reuters, 24.11.2016)

Dieser Artikel wurde mit den aktuellen Entwicklungen ergänzt

  • Artikelbild
    foto: apa/afp/dpa/stefan puchner
Share if you care.