Smart Meter: Kein Risiko für Einzelnen, Skepsis vor vernetzten Haushalten

24. November 2016, 10:42
33 Postings

Beim "EAA-Energie Talk" der EnergieAllianz Austria diskutierten Wirtschaftsvertreter und Datenschützer

Die Datenschutz-Ängste zu den neuen intelligenten Stromzählern sind weitgehend unbegründet, der einzelne Kunde braucht sich davor nicht zu fürchten, war der Tenor einer Expertendebatte. Die Smart Meter bringen mehr Stabilität ins Stromsystem und dem Kunden verbrauchsnähere Rechnungen, so die E-Control. Ein IT-Experte sieht in ihnen neue Sicherheitsrisiken, ein Ausrüster träumt schon vom Smart Home.

"Verbrauch näher zur Rechnung bringen"

Der Netzbetreiber wisse heute ohne Smart Meter sehr wenig über das Verbrauchsverhalten seiner Kunden – und den Konsumenten selbst könnte mit den neuen Zählern der Verbrauch bewusster gemacht werden, damit er die Energie effizienter nutzen kann, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Mittwochabend beim "EAA-Energie Talk" der EnergieAllianz Austria: "Es geht darum, den Verbrauch näher zur Rechnung zu bringen" und nicht ein Verbrauchsverhalten über ein Jahren zu betrachten. "Die Menschen wissen heute nicht, was sie mit einer Kilowattstunde Strom tun können."

Möglicherweise werden die Versorger künftig mit mehr Stromtarifen aufwarten, sobald sie das Kundenverhalten genauer kennen, glaubt Urbantschitsch. Dabei müsse man aber aufpassen, dass es – wie zeitweise im Telekom-Bereich – nicht intransparenter wird für die Verbraucher. Auch sollte es weiterhin eine Solidarität zwischen den Kundengruppen geben. Dass schon in ein paar Jahren eine neue Smart-Meter-Generation mit neuen Anforderungen kommt in Richtung Smart Home, glaubt der E-Control-Vorstand nicht und hält das auch nicht für nötig. In den Smart-Home-Bereich sollte sich die Regulierung aber auch nicht einmischen, sie sollte dort enden, wo das öffentliche Stromnetz endet. Die E-Wirtschaft selbst werde jedoch auch künftig einen Versorgungsauftrag mit einer starken Regulierung haben.

Regeln gegen "Trittbrettfahrer"

Zukunftsthemen wie die E-Mobilität, die in die Städte kommende Photovoltaik oder neue Stromspeichermedien würden neue Akteure auf den Plan rufen, die von außen in die Branche eindringen, vermutet der E-Control-Vorstand. Dabei sollte es aber keine "Trittbrettfahrer" geben. "Uber und Airbnb übertragen auf die Energiewirtschaft sollten sich beim Konsumentenschutz schon an die Regeln halten", wünscht sich der Vorstand der Regulierungsbehörde. Seinen Angaben zufolge sind die Smart Meter in Österreich zu 9 Prozent ausgerollt, "wir haben 500.000 Zähler draußen".

Viel zu wenig weit gehen dem Ausrüster Kapsch die jetzt installierten neuen Stromzähler. Für die erste Generation der Smart Meter würde er die Erwartungen nicht zu hoch hängen, denn der Gesetzgeber sei hier sehr restriktiv gewesen, meinte Christian Schober, Geschäftsführer der Kapsch Smart Energy GmbH., die etwa die Stadt Feldkirch mit solchen Geräten ausgestattet hat. Die jetzigen Smart Meter würden nur messen und die Daten weitermelden – an sich einmal pro Tag und nur wenn man sich aktiv dafür entscheide auch jede Viertelstunde. "Die nächste Generation wird, wenn man will, viel mehr können. Was wir jetzt haben, trifft nur einen Teil der Erwartungen", so Schober: "Das deutsche Konzept ist viel viel besser, viel teurer, aber auch vom Sicherheitskonzept her besser."

"Das nächste Uber kommt und wird uns überrollen"

Der Kapsch-Smart-Energy-Chef denkt freilich über Kleinigkeiten wie Smart Meter schon hinaus und warnt vor Playern, die "rechts überholen" könnten, "wenn wir nicht aufpassen". "Das nächste Uber kommt und wird uns überrollen." Als technologisches Beispiel verwies er auf "Amazon Echo", ein vernetztes System von Lautsprechern im Haushalt, bei denen die virtuelle Assistentin Alexa mit den Nutzern kommuniziert und ihnen – akustisch – buchstäblich alle Wünsche von den Lippen abliest. Amazon Echo werde in einem halben Jahr auch in Österreich angeboten und die Gewohnheiten der Menschen verändern, "ich sag nicht gut oder schlecht".

Bis ein Apple-Lautsprecher mit integriertem Mikrofon zur Kommunikation mit "Siri" als Echo-Konkurrent am Markt ist, auf den Schober ebenfalls verwies, dürfte es noch dauern, doch Google präsentierte mit "Home" schon eine smarte Lösung, die wie Amazons Echo auf Sprachbefehle reagiert und etwa Musik abspielen, Terminpläne aktualisieren oder einen Tisch im Restaurant buchen kann.

"Grundrecht unbeobachtet zu leben"

Auch Hans Zeger, Obmann der "Arge Daten", befürchtet zwar durch Smart Meter keine Datenschutzprobleme für die einzelnen Stromkunden, letztlich wären ihm die neuen intelligenten Zähler aber lieber nur blockweise, also etwa für jeweils zwanzig Haushalte. Smart-Home-Lösungen der Zukunft lehnt er ab: "Ich sitze für die Leute da, die sagen, sie wollen Amazon Echo nicht." Über den einzelnen werde man zwar über Smart Meter nicht viel herauslesen können, es gehe dabei aber um das, was die Menschen dazu glauben. Zeger: "Es geht um das Grundrecht unbeobachtet zu leben und auch um das Gefühl unbeobachtet zu leben. Die Frage ist, wie wird unser Verhalten interpretiert?"

Für den deutschen IT-Sicherheitsexperten Timo Kob stellen die neuen intelligenten Stromzähler Millionen potenzielle Schwachstellen dar. Er sehe zwar in der Digitalisierung einen großen Nutzen, nicht aber in den Smart Meter. Zudem würden hier zu viele Arten von Nutzen "draufgepackt, was beim Kunden zu Misstrauen führt". Die Sorge sei dann, "was kommt in Salami-Manier noch?" Die Sorgen wären aus seiner Sicht wohl geringer, wenn man bei den neuen Zählern "nur raus-, aber nicht zurückfunken kann".

Ungewolltes Datensammeln

Die Frage sei nämlich, ob womöglich ein Datensammeln stattfinde, ohne dass das beabsichtigt sei. So sei beispielsweise auch – ungewollt – "die beste Staumelder-Infrastruktur" mit den Smartphones geplant worden, was man erst im Nachhinein erkannt habe. "Für die einzelnen Personen sehe ich bei den Smart Meter das Datenrisiko aber nicht", meinte Kob: "Ich habe kein Problem, wenn man viel über seinen Kunden weiß und ihm neue Produkte anbietet. Da stecken Chancen drin, nur muss man achten, dass es keinen Missbrauch gibt. Der Rest der Digitalisierung wird in Bereichen passieren, die für den Kunden ohnedies unsichtbar sind." (APA, 24.11.2016)

  • Artikelbild
    foto: reuters/eric gaillard
Share if you care.