"Killing Floor 2" im Test: Ein Gemetzel, das Spieler zusammenschweißt

Rezension24. November 2016, 10:39
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Der -Shooter reduziert die Apokalypse mit viel Blut und Beuschel aufs Wesentliche – die Freundschaft

Wenn man Popkultur zugesteht, auch von der Welt zu sprechen, in der sie entsteht, sieht es düster aus auf diesem Planeten. Die Häufung von (Post-)Apokalypsen in Film, TV und Spielen legt so gesehen auch Zeugnis ab von einer verunsicherten Gegenwart, in der immer häufiger Einzelne gesichtslosen und übermächtigen Massen gegenüberstehen, mit denen kein Kompromiss, ja, nicht einmal ein Koexistieren möglich scheint. Dass das Zombie-Genre, prominent vertreten durch den weltweiten Erfolg der TV-Serie "The Walking Dead", seit einigen Jahren popkulturelle Hochkonjunktur hat, ist so gesehen kein Zufall, sondern ein Spiegel realgesellschaftlicher Ängste und Probleme – und das schon seit George A. Romeros Kultfilm "Night of the Living Dead", der 1968 eine zutiefst gespaltene US-amerikanische Gesellschaft und den blutigen Schrecken des Vietnamkrieges in Bilder eines Weltuntergangs kleidete, der sich bis in die Familie erstreckte.

Auch das junge Medium Computerspiele ist seit langen Jahren der Faszination untoter Massen verfallen, und das nicht nur, weil hirnlos wankende Zombies sowohl einfach zu programmierende als auch bedenkenlos zu eliminierende Gegner darstellen. Die Lust an der Tabula Rasa der Apokalypse, an der befreienden Zerstörung des Splatters und am faszinierenden Ekel ist schon immer Computerspielthema gewesen; nur selten allerdings sieht man es so auf seine Essenz reduziert wie im Teamshooter "Killing Floor 2" (PS4, Windows, Linux, 26,99 Euro).

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Launch-Trailer zu "Killing Floor 2"

Gemeinsam gegen das Ende der Welt

In unterschiedlichen, abgeschlossenen Arenen kämpfen bis zu sechs menschliche Spieler gegen in Wellen anrennende und immer stärker werdende Zombie-, Monster- und Mutantenhorden an, in den kurzen Pausen dazwischen darf eingekauft werden: Das altehrwürdige Multiplayergefecht im First-Person-Shooter wurde kaum je so puristisch auf Kooperation angelegt wie hier. In der Rolle unterschiedlicher Spezialisten – Nahkämpfer, Ärzte, Schrfschützen und so weiter – stehen Spielerinnen und Spieler zahlenmäßig grotesk überlegenen Gegnerwellen gegenüber, die sich nur gemeinsam überleben lassen.

Wie inzwischen üblich lassen sich die einzelnen Charakterklassen langsam verbessern, und am Ende jeder Partie steht einer der im Moment nur zwei verfügbaren Endgegner, der bedeutend stärker ist als die sonstige Horrormenagerie. Ein simples Konzept, das seinen Reiz vor allem durch die atemlose Zusammenarbeit mit den Mitstreitern erhält und auf alles Überflüssige verzichtet. Es gibt keine speziellen Missionsziele, keinen Weg, der in diesen Architekturen zurückzulegen wäre, und auch keine Geschichte, die vom Kern des Geschehens ablenkt. Wir gegen alle – das ist und bleibt ebenso unverwüstlich wie anziehend.

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Gameplay-Mitschnitt von "Killing Floor 2"

Slapstickhafte Blut-und-Beuschl-Splatter

Moderne First-Person-Shooter wie "Battlefield 1" oder "Overwatch" mögen technisch haushoch überlegen, abwechslungsreicher und anspruchsvoller sein als die stumpfe Schlachtplatte von "Killing Floor 2", doch dessen schon dem ersten Teil treue Fangemeinde wischt all das vom Tisch. Auch der in seiner Überzeichnung schon fast slapstickhafte Blut-und-Beuschl-Splatter tritt so gesehen hinter eine recht simple und durchaus positive Spielerfahrung zurück: Hier ziehen alle am selben Strang, helfen einander und sind meist sogar nett zueinander – verglichen mit den Minenfeldern der Kommunikation in anderen Multiplayerspielen bringt die Endzeit in "Killing Floor 2" die Spieler näher zusammen.

Die Angst vor der einen oder anderen Apokalypse ist ein Grundrauschen der Gegenwart – und die Popkultur gibt die eine oder andere Antwort darauf. Jene von "Killing Floor 2" ist vielleicht nicht die schlechteste. (Rainer Sigl, 24.11.2016)

"Killing Floor 2" ist für PS4, Windows und Linux erschienen. UVP: ab 26,99 Euro.

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Killing Floor 2 (Webseite)

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