Nach Gewinneinbruch: Uniqa prüft Beteiligungsabbau

24. November 2016, 08:40
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Italien-Entscheidung noch heuer, Strabag bis Mitte 2017 – Casinos-Anteilsverkauf jedenfalls – Vorsteuerergebnis bis September 43 Prozent tiefer

Wien – Uniqa-Generaldirektor Andreas Brandstetter prüft noch eine allfällige Trennung von weiteren Beteiligungen, die nicht ideal zum Kerngeschäft passen. Das gilt für den 13,8-prozentigen Anteil am Baukonzern Strabag, der zwar "eine supertolle Firma" sei, aber für sich betrachtet ein Klumpenrisiko darstelle. Dazu wolle man bis Mitte 2017 entscheiden, sagte Brandstetter am Donnerstag.

Bereits bis Weihnachten wolle man eine Entscheidung zur Uniqa Italien treffen – die Beteiligung steht seit einiger Zeit am Prüfstand. Italien sei mit 900 Mio. Euro Prämie und im Schnitt 25 Mio. Euro jährlichem EGT-Beitrag profitabel. Behalte man die Beteiligung, werde das Geschäftsmodell geändert. Verkaufe man sie, sei die Frage, was man mit dem Kapital tun könne, wünschenswert wäre eine profitable Schaden/Unfallgesellschaft.

Außerordentlicher Buchgewinn

Schon länger in der Pipeline ist der Verkauf des Uniqa-Anteils an den Casinos, scheitere der jetzt eingefädelte Deal mit der Novomatic, verkaufe man an andere Aktionäre. Durch den Casinos-Verkauf würde "ein erheblicher außerordentlicher Buchgewinn entstehen", sagte Brandstetter im Klub der Wirtschaftspublizisten.

In kerngeschäftsnahen Bereichen wolle man dagegen zukaufen, etwa Spitäler oder Gesundheits-Infrastruktur.

Investments plant die Uniqa auch im Infrastrukturbereich – Ziel ist eine Milliarde Euro binnen drei Jahren; aktuell verfügt man über insgesamt 30 Mrd. Euro Kapitalanlagen. Bei der Infrastruktur gebe es aber mehr Nachfrage als angebotene Projekte am Markt, "es ist ein Wettbewerb zwischen den Versicherungen da". Die Uniqa kooperiert hier mit dem australischen Finanzinvestor Macquarie. Als Beispiele nannte Brandstetter eine französische Autobahn mit 2,9 Prozent Rendite pro Jahr für 30 Jahre Laufzeit sowie eine Autobahn in der Slowakei mit einem Kupon von 4,78 Prozent, "wo bekomme ich das sonst?" Auch ein Gefängnisprojekt in den Niederlanden sehe man sich an. Außerhalb des Euroraums wolle man Infrastruktur-Investments aber nicht tätigen.

"Wahnwitzige" Geldpolitik der EZB

Massive Kritik übte der Uniqa-Chef an der EZB-Geldpolitik, die er als "absolut wahnwitzig" bezeichnete "weil sie unseren Kindern eine Bürde, Kosten umhängt", die irgendjemand tragen müsse. Bis März kaufe die EZB Anleihen für 1.800 Mrd. Euro, obwohl es keine größeren Reformen in den Staatshaushalten oder Zukunftsinvestitionen etwa in die Bildung gebe. Trotz Niedrigzinsen sei die Austro-Sparquote von 5,5 auf 7,5 Prozent gestiegen, "das gebunkerte Geld fehlt woanders".

Trotz des wegen der Niedrigzinsen und der Konzernumbau-Investitionen schon länger avisierten Gewinnrückgangs sieht sich der Uniqa-Versicherungskonzern weiter auf Kurs. Bis September war das Vorsteuerergebnis (EGT) mit 172,2 (301,9) Millionen Euro zwar 42,9 Prozent tiefer, das lag aber im Rahmen der Erwartungen. Am Jahresausblick 2016 eines bis zu 50 Prozent geringeren EGT als 2015 hält die Uniqa fest.

Das Neunmonats-EGT von 172,2 Millionen Euro beinhaltet laut Uniqa einen außerordentlichen Vorsteuerertrag von 37 Millionen Euro aus dem Verkauf eines Minderheitsanteils an der Nö. Versicherung (NV), Investitionen in Höhe von rund 30 Millionen Euro im Zuge des Innovationsprogramms und eine gegenüber dem Vorjahr um 30 Millionen Euro höhere Belastung durch Großschäden, erklärte die Uniqa am Donnerstag. (APA, 24.11.2016)

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