Kampf um Mossul: Zivilisten flüchten vor Schiitenmilizen

23. November 2016, 18:56
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Die vom Iran unterstützten "Volksmobilmachungseinheiten" kämpfen an der Seite der irakischen Armee

Mossul – Der Vorstoß schiitischer Milizen im Norden des Irak droht zum Brandsatz für neue religiöse Konflikte zu werden und den Kampf regionaler Mächte um die Vorherrschaft anzuheizen. Angesichts der Umzingelung durch die "Volksmobilmachungseinheiten" seien tausende Zivilisten aus der Stadt Tal Afar geflohen, sagte der Vertreter der Stadt im Rat der Provinz Ninive, Nuraldin Kablan.

Der Vorstoß der vom Iran ausgebildeten schiitischen Kämpfer ist Teil der Rückeroberung der Millionenstadt Mossul, die ebenso wie Tal Afar von der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" gehalten wird. Die Schiitenmilizen kämpfen an der Seite der irakischen Armee.

Die Türkei, die den Status einer Schutzmacht für die in Tal Afar lebenden Turkmenen beansprucht, hat bereits angekündigt, eine Eroberung der Stadt durch die schiitischen Kämpfer nicht tatenlos hinzunehmen. Damit drohen gegensätzliche Interessen des Iran und der Türkei in der Region auch auf den Irak überzugreifen. Im Nachbarland Syrien unterstützt der Iran Präsident Bashar al-Assad, der von der Türkei bekämpft wird. Neben der Türkei und dem Iran versucht auch Saudi-Arabien seinen Einfluss in den Konflikten auszuweiten.

Belagerungsring um Mossul geschlossen

Die Volksmobilmachungseinheiten haben nach eigenen Angaben den Belagerungsring um Mossul geschlossen. Man sei westlich der Stadt auf kurdische Einheiten gestoßen. Nach ihren Angaben liegt auch Tal Afar in dem Ring. Die 60 Kilometer lange Straße von Mossul dorthin sei dagegen weiter in Händen des IS. "Damit befassen wir uns jetzt", erklärte einer der Kommandanten

Rund 3.000 Familien seien aus Tal Afar geflüchtet, sagte Kablan. Die Hälfte habe sich auf den Weg nach Syrien gemacht, die andere wolle kurdisch beherrschte Gebiete im Irak erreichen. Seinen Angaben zufolge hat der IS am Sonntag den Abzug der Zivilisten erlaubt, nachdem schiitische Milizen den Flughafen Tal Afars mit Granaten beschossen hatten.

Im Zuge des Vorstoßes in den Norden des Irak haben die schiitischen Milizen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen Verbrechen gegen Sunniten begangen. Umgekehrt waren 2014 Schiiten aus Tal Afar geflohen, als die Stadt vor der Einnahme durch den radikalsunnitischen IS stand.

Die Bevölkerung Tal Afars habe große Angst vor den schiitischen Milizen, sagte Kablan. An anderer Stelle hieß es, die Stadt sei bereits menschenleer. Ministerpräsident Haider al-Abadi versuchte die Sorgen zu zerstreuen, indem er versicherte, die Kräfte, die Tal Afar einnehmen sollten, würden die ethnische Zusammensetzung der Stadt widerspiegeln. (APA, Reuters, 23.11.2016)

  • Flüchtlinge bei Bartalla, östlich von Mossul.
    foto: apa/afp/thomas coex

    Flüchtlinge bei Bartalla, östlich von Mossul.

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