Forscher warnen vor Öl- und Gasförderungen in ostafrikanischen Seen

24. November 2016, 09:00
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Laut Grazer Forschern sind einzigartiger Artenreichtum des Tanganjika- und Malawisee sowie Millionen Anrainer bedroht

Graz – Forscher warnen vor den Folgen der geplanten Öl- und Gasförderungen in Afrikas großen Seen. 70 Experten aus 17 Ländern – darunter auch Forscher von Universitäten in Wien und Graz – haben in einem offenen Brief im Journal "Science" auf Risiken aufmerksam gemacht. Bedroht wäre die Lebensgrundlage von Millionen Menschen rund um den Tanganjika- und Malawisee und eine "außergewöhnliche Artenvielfalt".

"Die Pläne zu Öl- und Gasförderungen in den großen Seen Ostafrikas werden von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt intensiv vorangetrieben. Die Regierungen der Anrainerstaaten erhoffen sich neue Einkommensquellen", schilderte der Grazer Zoologe und Buntbarsch-Spezialist Stephan Koblmüller. Er ist Co-Autor eines Plädoyers für den umsichtigen Umgang mit den fragilen Ökosystemen in Afrika, das von mehreren Forschern des Institutes für Zoologie der Universität Graz sowie Forschern des Veterinärmedizinischen Universität Wien und dem Konrad-Lorenz-Institut für Ethologie in Wien unterzeichnet wurde.

Bedrohung für Menschen und Tiere

"Der Tanganjika-See beherbergt alleine 200 verschiedene Fischarten, im Malawisee tummeln sich an die 800 unterschiedliche Arten. Wenn bei den Bohrungen irgendetwas passiert, sind die alle weg", warnte der Grazer Wissenschafter. Aber nicht nur die Fische, sondern auch die rund zehn Millionen Menschen, die sich um die Seen angesiedelt haben, wären bei einer Ölkatastrophe bedroht. "Sie sind für ihre Trinkwasser- und Nahrungsversorgung direkt von den Seen abhängig", hob Koblmüller hervor.

Der Tanganjika-See habe noch dazu nur einen Abfluss: "Da dauert es ewig, bis das Wasser erneuert wird. Ein kompletter Wasseraustausch dauert geschätzte 7.000 Jahre", wie der Grazer Zoologe sagte. Die Abgeschiedenheit der Seen würde wiederum ein schnelles Eingreifen im Katastrophenfall erschweren.

Politisch instabile Region

Als weiteres Problem sahen die Autoren die politische Instabilität der Region, welche die Gefahr von Sabotageaktionen und bewaffneten Konflikten in sich trage. Sollten die Öl- und Gasförderpläne realisiert werden, dann sei es nicht mehr die Frage, ob, sondern wann es zu einer Katastrophe kommen werde. Die Wissenschafter appellieren daher an die lokalen Regierungen, zumindest effektive Kontrollmechanismen und Katastrophenbekämpfungsstrategien zu entwickeln. Noch besser aus Sicht der Autoren wäre die Entwicklung von Plänen zur nachhaltigen Regionalentwicklung im Sinne der UN-Sustainable Development-Ziele. (APA, red, 24.11.2016)

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