Streusalz sorgt für Männchenüberschuss bei Fröschen

27. November 2016, 12:30
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In Tümpeln mit höherem Salzgehalt entstehen weniger Laubfrosch-Weibchen, zeigten Experimente

New Haven – Kaum sinken die Temperaturen und das erste Schneeflöckchen fällt zu Boden, rückt auch schon die Streusalz-Flotte aus und überzieht die Straßen mit weißem Pulver. Was die Verkehrssicherheit zweifellos erhöht, hat für die Umwelt viele nachteilige Effekte. Vor allem gelangt das Salz mit dem Schmelzwasser in Böden und Gewässer, wo es viele Lebewesen empfindlich schädigen kann.

Für Frösche kann das offenbar eine besonders dramatische Wirkung haben: Wie Forscher der Yale University im "Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences" berichten, dürfte Streusalz offenbar die Geschlechtsentwicklung der Amphibien beeinflussen. Wachsen Laubfrösche in Gewässern mit übermäßigem Salzgehalt auf, bilden sich bis zu zehn Prozent mehr Männchen als normal. Die weiblichen Tiere hören hingegen schon früher auf zu wachsen, wie sich in Experimenten zeigte.

Tümpel-Simulation

Für ihre Studie zog ein Team um Max Lambert Laubfrosch-Kaulquappen in Wasser mit unterschiedlichen Salzkonzentrationen auf. Sie simulierten damit Bedingungen, wie sie in natürlichen Gewässern in verschiedenen Abständen zu stark gestreuten Straßen herrschen. Die Konsequenzen waren mehr als deutlich: Wurde kein Salz hinzugefügt, entwickelten sich aus 63 Prozent der Kaulquappen Weibchen.

In Wasser mit erhöhtem Salzgehalt waren es um bis zu zehn Prozent weniger Weibchen, und diese erreichten eine deutlich geringere Körpergröße als normal. "Durch das Salz gibt es also nicht nur weniger, sondern auch kleinere Weibchen, die womöglich weniger Eier produzieren können als üblich", sagte Lambert. "Und auch die Qualität dieser Eier ist wahrscheinlich schlechter." Für Froschpopulationen in der Nähe stark gestreuter Straßen eine schlechte Nachricht.

Gefährdete Amphibien

Die Wissenschafter vermuten, dass Salzmoleküle das Hormonsystem der Frösche verwirren. Die Moleküle werden fälschlicherweise wie Geschlechtshormone behandelt. Bei einem geringen Salzgehalt sei das noch kein Problem, so Lambert. "Aber wenn man haufenweise Streusalz auf die Straßen schüttet, das dann in die Tümpel gelangt, dann kann das große Auswirkungen haben."

Die zunehmende Versalzung könnte auch andere Amphibien beeinträchtigen, befürchten die Forscher. Sie plädieren für einen sorgsameren Umgang mit Streusalz. "Viele andere wasserlebende Arten könnten davon betroffen sein – auch auf andere Weise", sagte Koautor Rick Relyea vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy. (red, 27. 11. 2016)

  • Schlechte Nachrichten für Laubfrösche.
    foto: ap/brian masck

    Schlechte Nachrichten für Laubfrösche.

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