Rechtes Magazin "Alles Roger?": Zweifel an Echtheit von Interviews

24. November 2016, 07:00
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Ein in dem österreichischen Magazin veröffentlichtes Interview mit Kevin Spacey hat laut dessen Sprecherin nicht stattgefunden

In den Interviews geht es schon einmal recht rau zu. Da wird der Fragesteller "ein richtiges Arschloch" genannt oder ihm eine Tracht Prügel angedroht. Und zwar von Weltstars wie Sting oder dem Schauspieler Mickey Rourke. Derartige Interviews sind ein Markenzeichen der 2014 gestarteten Zeitschrift "Alles Roger?", die in einer angeblichen Auflage von 200.000 Stück in Österreich verbreitet wird. In den Interviews geht es auch um Politik – und die Hollywood-Stars nehmen sich kein Blatt vor den Mund. "Seit Jahren arbeiten unsere Politiker, auch die in Europa, anscheinend auf einen größeren Krieg hin", sagt etwa Schauspieler Kevin Spacey.

"Es handelt sich um ein gefälschtes Interview"

Doch das Interview mit Spacey, das von "Alles Roger?"-Chefredakteur Roland Hofbauer geführt worden sein soll, hat laut Spaceys PR-Agentin Staci Wolfe nicht stattgefunden. "Es handelt sich um ein gefälschtes Interview", schreibt Wolfe in einer E-Mail an den STANDARD.

Zweifel gibt es auch an der Authentizität anderer Interviews. Sting habe "nach unserem Wissensstand mit dieser Publikation kein Interview geführt", heißt es von Universal Music, Stings Plattenfirma. Netflix-Chef Reed Hastings gibt in einem Gespräch mit "Alles Roger?" angeblich zu, privat Pornos zu konsumieren, und legt dar, dass der Videostreamingdienst Netflix über das Anbieten von Pornos "selbstverständlich nachgedacht" habe, das aber "im sehr prüden Amerika" wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen würde. Derart offen hätte Hastings bisher mit keinem Medium der Welt geredet. Netflix möchte sich offiziell nicht zu dem Interview äußern.

Interviews mit Strache und Hofer

Chefredakteur Hofbauer, der als Autor der Interviews geführt wird, gibt im STANDARD-Gespräch an, die Beiträge von einer "Agentur" aus dem Ausland zugekauft zu haben. Diese leiste "gewissenhafte Arbeit". Er möchte jedoch nicht sagen, um welche Agentur es sich dabei handelt. "Das müsst ihr selbst recherchieren", sagt Hofbauer. In einigen Interviews bei "Alles Roger?" geht es jedoch auch um Wien und den Interviewer selbst.

Authentisch dürften Interviews mit österreichischen Politikern aus dem rechten Parteienspektrum sein. "Alles Roger?", das von Excalibur-City-Betreiber Ronnie Seunig gegründet wurde, sprach mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und ließ Ex-BZÖ-Politiker Peter Westenthaler den Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer interviewen. Gesprochen wurde auch mit FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, der mit "AllesRoger?" über die "Lügenpresse" diskutierte.

DÖW kritisierte Magazin

"Alles Roger?" wurden vergangenes Jahr vom Mauthausen-Komitee "antisemitische Tendenzen" attestiert. Laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes übernimmt das Magazin "verschwörungstheoretische Positionen, wie sie aus rechtsextremen Kreisen bekannt sind".

foto: ap
Das Interview mit Kevin Spacey wirft Fragen auf.

Das Magazin hält Kontakte zu anderen selbsternannten "alternativen" Medien, zu denen etwa das der FPÖ nahestehende unzensuriert.at gehört. Die Plattform hatte ihren Lesern empfohlen, auch ein Abonnement von "Alles Roger?" abzuschließen. Auf dem Kongress der "Verteidiger Europas" in Linz, an dem teils Rechtsextreme wie Mitglieder der Identitären-Bewegung teilnahmen, war auch Chefredakteur Hofbauer. Laut einem Bericht von unzensuriert.at – Vertreter traditioneller Medien durften den Kongress nicht besuchen – erklärte dieser dort die Krise etablierter Nachrichtenorganisationen bei einer Gruppendiskussion damit, dass in ihnen "a Schas drinsteht". (Markus Sulzbacher, Fabian Schmid, 24.11.2016)

  • Das Magzin "Alles Roger?" wurde 2014 gegründet.
    foto: der standard/faksimile

    Das Magzin "Alles Roger?" wurde 2014 gegründet.

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