Hauptbelastungszeuge im Wiener Mafia-Prozess bedroht

23. November 2016, 17:09
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Wurde von Mithäftlingen eingeschüchtert

Wien – Der Hauptbelastungszeuge im derzeit am Wiener Landesgericht für Strafsachen laufenden Mafia-Prozess ist im Gefängnis seit Ende August 2016 massiv bedroht worden. Er soll gegen eine angeblich auf Schutzgeld-Erpressungen spezialisierte Mafia-Bande aussagen. Der Prozess findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt.

Mindestens drei Mal wurde der Mann, der im Ermittlungsverfahren gegen den mutmaßlichen Banden-Boss Edin D. alias "Edo" ausgesagt und diesen sowie die sechs Mintangeklagten belastet hatte, seinen Angaben zufolge von einem Tschetschenen bei Zusammentreffen beim Hofspaziergang und in der Anstaltskantine eingeschüchtert.

Zwei Justizwachebeamte der betreffenden Justizanstalt (der APA ist diese bekannt, aus Sicherheitsgründen wird sie nicht genannt, Anm.) bekamen verbale Auseinandersetzungen der beiden mit. "Du Hurensohn, wir werden dich töten. Wir werden deine Familie finden, wegen dir sind meine Freunde im Gefängnis. Wir werden deine Familie finden und umbringen. Wir wissen, dass dein Sohn in Italien lebt. Du wirst schon sehen, was wir mit dir machen werden, wir sind genug Tschetschenen hier", bekam der 38-Jährige zu hören. Er wandte sich schließlich ans Bundeskriminalamt, weil der gebürtige Serbe um Leben und Sicherheit seiner Familie fürchtete.

Drei Angeklagte in dem anhängigen Mafia-Prozess sind tschetschenischer Herkunft. Ihr Landsmann wurde mittlerweile in eine andere Justizanstalt verlegt. Die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft hat gegen den 39-Jährigen bereits ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Nötigung und gefährlicher Drohung eingeleitet.

Kopfgeld bestätigt

Dass – wie in der Verhandlung gegen Edin D. alias "Edo" am vergangenen Montag zur Sprache gekommen ist – auf den Hauptbelastungszeugen in dem Mafia-Verfahren ein "Kopfgeld" ausgesetzt worden sein soll, hat unterdessen ein Mitgefangener des Betroffenen bestätigt. Er teilte in einer Zeugenbefragung dem Bundeskriminalamt mit, er habe in seiner Zelle ein entsprechendes Gespräch mitangehört.

Mehrere Insassen hätten sich über "den Serben, der die Tschetschenen verraten hat" unterhalten und erörtert, dass dieser umgebracht werden soll, gab der Häftling bekannt. "Der wird schon seine Strafe bekommen", soll es geheißen haben und dass "der Bosnier" auf den Zeugen schon "Kopfgeld in der Höhe von 250.000 Euro" ausgesetzt hätte.

Weiterer Zeuge belastet

Ein weiterer Zeuge ist seinen Angaben nach seit vergangenem April bedroht worden, indem er laufend entsprechende Anrufe erhielt. Er nahm die Drohungen zunächst nicht ernst. Das änderte sich, als er – unabhängig von dem in Haft befindlichen Hauptbelastungszeugen, mit dem er keinen Kontakt hat – hörte, dass auf gegen Edin D. geführte Zeugen ein "Kopfgeld" ausgelobt worden sei.

Zunächst bekam der 35-Jährige bei einem Aufenthalt in Berlin erzählt, in Wien würden 100.000 Euro dafür geboten, wenn ein Zeuge nicht mehr zu Gericht kommen könne. Konkreteres will der Mann Mitte Oktober bei einem Besuch bei Freunden in Serbien erfahren haben. Dort hieß es seinen Angaben zufolge, Edin D. alias "Edo" hätte "Leute organisiert", die ihn "für 50.000 oder im Ausland 100.000 Euro erledigen sollen". In dem serbischen Heimatort des Mannes, der ebenfalls für kommenden Dienstag als Zeuge geladen ist, soll – wie er dem Bundeskriminalamt versichert hat – ein "Rollkommando" erschienen sein, ihn dort jedoch nicht mehr angetroffen haben.

Mehrere Angeklagte in dem Mafia-Prozess sind in Bosnien zur Welt gekommen, wenn sie auch nicht die bosnische Staatsbürgerschaft besitzen. Der Belastungszeuge – er steht in Kontakt mit Beamten des Zeugenschutzprogrammes – nimmt die Drohungen sehr ernst. Er hat dem Vernehmen nach seine Familie aufgefordert, das Elternhaus zu verkaufen und umzuziehen. Der 38-Jährige soll am kommenden Dienstag im Prozess gegen "Edo" im Zeugenstand erscheinen. (APA, 23.11.2016)

  • Der Prozess findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt.
    foto: apa/herbert neubauer

    Der Prozess findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt.

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