Drohnen: Auferstehung überm Friedhof

25. November 2016, 09:00
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Zukunft findet auch auf Friedhöfen statt. Eine burgenländische Firma erstellt digitale Landkarten von Gräbern, Wegen und Gebäuden

Rund eine halbe Stunde braucht der Oktokopter, um einen Friedhof abzufliegen. Um ihn Stück für Stück zu vermessen. Aus 500 bis 600 Fotos entsteht eine digitale Landkarte. Auf ihr befinden sich Daten wie Grundstücksbegrenzungen, Lage der Gräber, Namen und Wege. Gesteuert wird das achtrotorige Fluggerät in etwa 60 Metern Höhe in Deutschkreutz von der burgenländischen Skyabiltiy. Das Unternehmen mit Sitz in Siegendorf ist das erste und einzige in Österreich, das Friedhöfe mittels Drohnen abscannt.

foto: skyability
Kein Flug ins Blaue: In Rund 60 Metern Höhe scannt der Oktokopter Stück für Stück den Friedhof ab. Die digitale Landkarte, die daraus entsteht, ersetzt handgeschriebene Karteikarten.

Nach 15 Minuten landet die Drohne vollautomatisch für den Akkuwechsel, um dann für Runde zwei erneut aufzusteigen. Ein CAD-Programm wertet die Daten anschließend aus und fügt sie zu einem digitalen georeferenzierten Plan zusammen. "Dieser ermöglicht es Gemeinden, den Gräbern Informationen wie Gräbernummern und Inhaber, Gebührenvorschreibungen oder Ähnliches zuzuordnen", so Projektmanager Joachim Fertl zum Standard. Handgeschriebene Karteikarten gehören somit der Vergangenheit an.

Das Start-up wurde im April des Vorjahres gegründet. Mit 40.000 Euro Startkapital "aus dem eigenen Börsel" und mit jeder Menge Enthusiasmus. Noch liegt der Schwerpunkt der "Friedhofsdrohnen" auf Ostösterreich, also dem Burgenland, Niederösterreich und der Steiermark", die bundesweite Erschließung sei aber nur eine Frage der Zeit, gibt sich Fertl zuversichtlich, denn die Anfragen seien bereits da.

foto: skyability
Ein digitalisierter Friedhof.

Bis zu 150 Meter hoch dürfte Skyability seine Drohnen in die Luft schicken. Das ist die von der Austro Control höchste genehmigte Zulassung im Bundesgebiet. Die Burgenländer arbeiten in zwei Geschäftszweigen: Der Vermessung und der Industrieinspektion und seit diesem Jahr am sogenannten "Winzerfalken". Letzteres ist eine komplette Eigenentwicklung und hat gerade seine Pilotphase erfolgreich abgeschlossen: Ein Nurflügler mit einer Spannweite von zwei Metern und ausgestattet mit einem Soundmodul überflog dabei Weingärten. Während des Flugs wurden Vogellaute in einer Stärke von 150 Dezibel ausgestoßen, um die Stare, die es auf die Reben abgesehen haben, zu "vergrämen", wie es Fertl nennt. Von 6 in der Früh bis 19 Uhr am Abend.

Die Drohne als Vogelschreck

Zwei Monate lang kreiste und kreischte der Nurflügler über ein Testgebiet in Rust: Erfolgreich, wie Fertl sagt. Denn die Rückmeldungen waren mehr als positiv: Seit fünf Jahren hätten die Weinbauern der überflogenen Gebiete (250 Hektar) keine so guten Ernteerträge mehr gehabt. Dafür gab’s den Innovationspreis des Landes Burgenland und eine Nominierung für den Österreichischen Staatspreis im Bereich Innovation.

Nurflügler liegen aerodynamisch besser in der Luft als ein Oktokopter. Sie können bis zu zwei Stunden in der Luft bleiben, bevor der Akku getauscht werden muss. Geflogen wird bei Skyability mit der gleichen Batterietechnologie (Lithium-Ionentechnologie) wie sie auch der Elektroautopionier Tesla verwendet. 800 bis 900 Ladezyklen sind möglich. Das Projekt "Winzerfalke" schlug Wellen. Für die "Vogelsaison" nächstes Jahr werden bereits mit verschiedenen weiteren Gemeinden Gespräche geführt, das Projekt hat aber auch das Interesse fernab der Heimat auf anderen Kontinenten geweckt. So gibt es Anfragen aus Neuseeland, Australien und Südafrika. Diese Länder haben 1:1 dasselbe Problem mit den räuberischen Staren wie in Ostösterreich – nur um ein halbes Jahr zeitversetzt. Heißt, die Stare fallen dort im Jänner und Februar ein.

Damit es bis zur Zukunft nicht zu lange dauert, beschäftigt man sich schon heute mit weiteren Einsatzgebieten. So waren Skyability-Drohnen in Mürzzuschlag für den geplanten Umbau am Bahnhof Mürzzuschlag unterwegs. Aber auch Industrieanlagen, Landwirtschaft bis hin zu Steinbrüchen böten enormes Potenzial. Und ein nahes Ende ist nicht in Sicht. (Sigrid Schamall, 25.11.2016)

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