Schlacht um Mossul: Barriere im Süden und zähe Kämpfe im Osten

29. November 2016, 14:58
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Satellitenaufnahmen zeigen, wie sich der IS auf die Kämpfe mit den irakischen Streitkräften, schiitischen Milizen und kurdischen Peshmerga vorbereitet hat

Es ist der zähe Kampf um das vom "Islamischen Staat" (IS) besetzte Mossul geworden, den viele erwartet haben. Nach anfänglichen schnellen Geländegewinnen der Anti-IS-Koalition hat sich der Vorstoß mit Erreichen der Stadtgrenze der zweitgrößten Stadt des Irak verlangsamt. Rund 50.000 Kämpfer irakischer Sicherheitskräfte, kurdischer Peshmerga, schiitischer Milizen und einiger sunnitischer Stämme – unterstützt durch Luftschläge der US-Koalition – nehmen an der seit rund sechs Wochen dauernden Operation teil.

Im Osten sind Kämpfer der Anti-IS-Koalition bereits in das Stadtgebiet Mossuls vorgedrungen und haben einige der Stadtteile befreit. Doch der Fortschritt ist langsamer als erwartet: Immer wieder werden Stadtteile, die als erobert galten, vom IS zurückerobert, oder es flammen neue Kämpfe auf. Laut der Zählung von Joel Wing, der den Blog "Musings on Iraq" betreibt, ist man bis dato in 39 Stadtteile im Osten Mossuls vorgedrungen, 19 davon wurden vom IS zurückerobert, die restlichen 20 sind noch immer umkämpft. Dabei galten die Gebiete östlich des Flusses Tigris, der die Stadt zweiteilt, als der vergleichsweise "einfache" Teil des Kampfes. Im Westteil der Stadt leben nicht nur bedeutend mehr Zivilisten, auch aufgrund der Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen werden dort noch zähere Kämpfe als im Osten erwartet.

Im Süden Mossuls sind die Fortschritte indes ähnlich langsam, obwohl man dort noch nicht einmal das Stadtgebiet erreicht hat. Ein erstes Ziel der irakischen Sicherheitskräfte und ihrer Verbündeten wird der Flughafen am südlichen Stadtrand sein. Vom Flughafen selbst ist jedoch nur mehr wenig übrig.

Satellitenbilder, die von der US-Firma Stratfor veröffentlicht wurden, zeigen, wie der IS Gebiete nördlich des Flughafens dem Erdboden gleichgemacht hat.

copyright stratfor 2016/stratfor.com/airbus/handout
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Die Aufnahmen, die am 31. Oktober beziehungsweise am 1. November gemacht wurden, zeigen, worin die Schwierigkeiten für die irakischen Streitkräfte im Süden Mossuls liegen: Gebäude südlich der Stadtgrenze wurden zerstört, um freies Blick- und Schussfeld zu haben.

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Gleichzeitig wurden Barrikaden entlang der Straßen, die in die Stadt selbst führen, errichtet. Laut Stratfor bestehen die Blockaden aus Betonelementen, aber auch Schutt werde herangezogen, um Barrikaden zu errichten.

copyright stratfor 2016/stratfor.com/airbus/handout
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Entlang der südlichen Stadtgrenze versucht der IS offenbar eine Barriere zu etablieren, um eine Annäherung feindlicher Kämpfer so schwer als möglich zu machen – bisher mit Erfolg.

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Für die Zivilisten der Stadt wird die Situation indes immer prekärer. Laut UN-Informationen hat der IS Einwohner getötet, die sich den Anweisungen der Milizionäre widersetzt hätten. Berichten zufolge seien am 11. November zwölf Zivilisten im Stadtbezirk Bakir getötet worden, weil sie nicht zulassen wollten, dass Raketen auf den Dächern ihrer Häuser montiert würden, sagte eine UN-Sprecherin am Dienstag in Genf.

Andere würden getötet, weil sie die belagerte Stadt verlassen wollten oder im Verdacht stünden, Informationen nach außen gegeben zu haben. So sollen am 25. November 27 Zivilisten im Muhandisin-Park im Norden Mossuls öffentlich hingerichtet worden sein. Drei Tage zuvor habe ein IS-Scharfschütze ein siebenjähriges Kind erschossen, das in Richtung der irakischen Streitkräfte gerannt sei, teilte die Uno mit. (stb, 29.11.2016)

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