Joe Bidens politischer Abschied

23. November 2016, 19:17
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Der beliebte Vizepräsident der USA, auch Uncle Joe genannt, wird nicht für den Vorsitz der Demokraten kandidieren

Der scheidende US-Vizepräsident Joe Biden hat am Dienstag angekündigt, dass er im Frühjahr 2017 nicht am Rennen um das Amt des Vorsitzenden der Demokraten teilnehmen wird. Derzeit wird die Partei interimistisch von Donna Brazile geführt. Biden werde sich aber weiterhin an der Gestaltung der Demokratischen Partei beteiligen, teilte seine Sprecherin mit.

foto: mark wilsonapa/afp/getty images
Am Dienstag versammelten sich Bidens Anhänger vor dem Naval Observatory in Washington, wo die Vizepräsidenten traditionell wohnen, um ihm für seine Dienste zu danken.

Der 74-jährige Politveteran steht seit acht Jahren im Schatten von Barack Obama und wird seinen Posten im Jänner Mike Pence überlassen. Bei einem Besuch des künftigen Vizepräsidentenpaares vergangene Woche zeigte sich Biden nicht im Geringsten über den politischen Kurs seines Nachfolgers besorgt. "Ich werde Mike Pence rund um die Uhr zur Verfügung stehen", sagte er in einem Interview der Agentur Associated Press. "Wenn er schlau ist, wird er die meisten meiner Ideen ablehnen, vielleicht findet er aber auch etwas Nützliches."

associated press
Vergangene Woche besuchte das künftige Vizepräsidentenpaar Mike und Karen Pence Joe Biden und seine Frau Jill.

Seine Beliebtheit unter Demokraten hat Biden auch seiner Gutmütigkeit, seinem Humor und seinen unaufgeregten Umgangsformen zu verdanken. Nach Trumps Sieg erlebten soziale Netzwerke eine Überflutung mit "Bromance"-Postings über Obama und Biden – vor allem mit Memes, in denen die beiden einander trösten oder etwas Spitzbübisches unternehmen.

"Onkel Joe" erwies sich auch als ausgezeichneter Redner und loyaler Mitarbeiter, der Obama in jeder Hinsicht unterstützte und ihm den Rücken stärkte.

foto: nicholas kamm/apa/afp
Biden blieb in beiden Amtszeiten seiner Vizepräsidentschaft in Obamas Schatten.

Der Mann, der bereits beim Antritt als Vizepräsident auf eine lange politische Karriere zurückblicken konnte – er amtierte etwa als Senator des Staats Delaware und später als Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im Senat – hatte einst einen großen Traum. Er wollte Präsident der Vereinigten Staaten werden. Diesen Traum gab er vergangenes Jahr wegen der Trauer um seinen Sohn Beau auf, der im Mai an einem Gehirntumor gestorben war.

Biden gilt somit nicht nur als Polit-Experte, sondern auch als liebender Ehemann und Vater, der im Leben bereits viel durchgemacht hat – vor Beau verlor er 1972 schon seine erste Frau Neilla und seine 13 Monate alte Tochter Naomi bei einem Verkehrsunfall. Biden hat noch den Sohn Hunter aus seiner ersten und die Tochter Ashley aus der zweiten Ehe.

In einem Interview für den US-Nachrichtensender ABC News sagte er über seine zweite Ehefrau Jill, die er 1977 heiratete: "Solange es einem bewusst bleibt, dass die Ehe wichtiger ist als die Politik, funktioniert es. Man muss zusammenhalten, wenn man eine derartige politische Karriere macht."

abc news
Die Geschichte einer mittlerweile 39-jährigen Ehe zeigt, wie man in der Politik am besten durchkommt: Zusammenhalten ist Bidens Devise.

Nicht nur Memes, auch unterschiedlichste Videos über Joe Biden kursieren im Netz. Im jüngsten Video von AJ+ (Al Jazeera Media Network) wird die Frage gestellt: Wird es jemals einen cooleren Vizepräsidenten geben?

(Anja Malenšek, 23.11.2016)

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