Kroatien begräbt Pläne für Autobahnvignette

23. November 2016, 14:52
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Die Regierung befürchtet einen Einbruch der Mauteinnahmen. Statt der Vignette soll nun eine Automatisierung der Mauteinhebung kommen

Zagreb – Kroatien hat Pläne für die mögliche Einführung einer Autobahnvignette offenbar begraben. Stattdessen wolle die neue Regierung die Mauteinhebung automatisieren, kündigte Verkehrsminister Oleg Butkovic laut Medienberichten an. Zagreb tendiere dazu, in etwa fünf Jahren ein satellitengestütztes Mautsystem einzuführen.

Bisher wurde in Kroatien das Vignettensystem bevorzugt. Eine Studie, die von dem selben Minister noch während der vergangenen Regierungsperiode im Februar erstellt wurde, zeigte, dass ein solches Modell für das Adrialand auch passen würde. Es fehlte lediglich die politische Entscheidung, um die Vignette einzuführen.

Nun rudert die neue Regierung aus Sorge vor einem Rückgang der Mauteinnahmen zurück. Im kommenden Jahr werden nämlich Kredite für den Autobahnausbau in der Höhe von umgerechnet 1,2 Milliarden Euro (9 Milliarden Kuna) fällig, der Druck wird sich laut dem Minister auch 2018 und 2019 fortsetzen. "Wir können nicht zulassen, dass die Einnahmen der Autobahnbetreiber in diesen Jahren einbrechen", mahnte Butkovic am Dienstag.

Der Verkehrsminister bekennt sich trotzdem weiterhin als Unterstützer des Vignettensystems. "Das eine ist, was ich mir wünsche, das andere ist die Tatsache, dass wir 9 Milliarden Kuna zurückzahlen werden müssen", sagte Butkovic.

Keine Privatisierung

Eine klare Absage gab es auch für Ideen zu einer Privatisierung und Konzessionsvergabe, die in den vergangenen Jahren als mögliche Lösung für den Abbau des Schuldenbergs der staatlichen Betreibern in Erwägung gezogen wurden. "Die Autobahnen bleiben im kroatischen Besitz. Allerdings werden wir auf die Einnahmen der Autobahnunternehmen aufpassen müssen", so der Minister.

Bis 2020 werden die staatlichen Autobahnfirmen HAC (Kroatische Autobahnen) und ARZ (Autobahn Rijeka-Zagreb), die rund 1.000 Kilometer Autobahnen in Kroatien betreiben, laut Medienberichten insgesamt 5,2 Mrd. Euro an Krediten zurückzahlen müssen. Ein kleinerer Teil der kroatischen Autobahninfrastruktur wird von Privatunternehmen gemanagt, darunter auch von der Strabag.

Bis man mit dem Satellitensystem in Kroatien soweit ist, soll Berichten zufolge die Zahl der Mautstationen, an denen die Maut elektronisch mit der "ENC Box" oder mit Kreditkarten bezahlt werden kann, aufgestockt werden. Im Sommer gibt es während der Tourismus-Hochsaison vor kroatischen Mautstellen, insbesondere vor Zagreb, regelmäßig kilometerlange Staus. (APA, 23.11.2016)

  • Österreich hat sie, die Schweiz hat sie, Kroatien bekommt sie nun doch nicht: Die Vignette.
    foto: apa/dpa

    Österreich hat sie, die Schweiz hat sie, Kroatien bekommt sie nun doch nicht: Die Vignette.

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