Infineon bleibt vorsichtig – Langfristig mehr Rendite angepeilt

23. November 2016, 14:28
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Schlussquartal fiel schwächer aus als von Experten erwartet

Infineon profitiert vom Geschäft mit Chips für Autos und Smartphones. Der deutsche Chiphersteller geht nach einem etwas schwächeren Jahresschluss aber mit Vorsicht ins nächste Jahr. Der Dax-Konzern nimmt sich offiziell etwas weniger Wachstum vor als von Analysten geschätzt und peilt zunächst auch beim Renditeziel nur einen kleinen Schritt nach vorn an.

Langfristig will das Unternehmen unter anderem dank besserer Auslastung von Fabriken und lukrativer Zukäufe aber deutlich profitabler werden, wie es am Mittwoch in Neubiberg bei München mitteilte.

Dank der guten Auto-Konjunktur

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 (Ende September) konnte der Chiphersteller dank der guten Auto-Konjunktur und des nach wie vor robusten Geschäfts mit Chips zur Stromregelung und für Smartphones den Umsatz um knapp 12 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro steigern. Dazu trug auch bei, dass der Zukauf des US-Unternehmens International Rectifier nicht im ganzen Vorjahr schon zum Konzern zählte – aus eigener Kraft lag das Wachstum bei 7 Prozent. Der für die Aktionäre verbleibende Gewinn kletterte um fast 18 Prozent auf 744 Mio. Euro. Die Dividende soll um 10 Cent auf 0,22 Euro je Aktie steigen.

Im vierten Quartal – dem üblicherweise stärksten des Jahres – schnitt Infineon allerdings etwas schwächer ab als von Experten erwartet. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorquartal um 3 Prozent auf 1,68 Mrd. Euro, das Segmentergebnis – ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern – um 10 Prozent auf 280 Mio. Euro. Infineon-Vertriebschef Helmut Gassel sagte, dass die relativ lukrativen Smartphone-Chips aktuell nicht so stark nachgefragt würden.

Schwankende Preise

In der Chipbranche werden die Geschäftszahlen wegen stark schwankender Preise in aller Regel mit dem Vorquartal verglichen. Infineon hat sich mit dem Ausbau des Autogeschäfts und einer breiteren Produktpalette aber etwas von den kurzfristigen Schwankungen der Chipindustrie abgekoppelt.

Das Unternehmen macht rund 40 Prozent von Umsatz und Gewinn mit der Autoindustrie. Die Sparte soll dieses Jahr deutlich über dem Konzernschnitt wachsen. Infineon setzt darauf, dass Elektromobilität und Fahrerassistenzsysteme Anteil und Wert verbauter Chips in künftigen Automobilen deutlich erhöhen. Daher will das Unternehmen mit Radar- und Sensorchips sowie Halbleitern für die Stromladetechnik punkten und hat dazu zuletzt weiter zugekauft.

Konzernchef Reinhard Ploss sieht Infineon nicht als Übernahmekandidaten und will eher selbst kleinere Zukäufe tätigen. "Wir stehen sehr solide auf unseren Füßen und sehen uns nicht als Häppchen", sagte er. Zudem baue Infineon auch Chips für Hochsicherheitstechnologien, ein Verkauf etwa nach China würde von den Behörden daher wohl eher nicht durchgewunken.

Mehr Umsatz erwartet

Im Geschäftsjahr 2016/17 (Ende September) rechnet Infineon mit einem Umsatzplus von rund 6 Prozent. Das wären etwa 6,86 Mrd. Euro Erlös und damit weniger als von Experten gedacht. Die Geschäfte sollen etwas profitabler werden.

Die Tochtergesellschaft Infineon Österreich hat den Hauptsitz in Villach und beschäftigt in ganz Österreich rund 3.500 Mitarbeiter in Produktion, Forschung und Entwicklung. (APA, 23.11. 2016)

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