Berlin bleibt bei deutschen Finanz-Start-ups ganz vorne

23. November 2016, 14:25
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Gründergeist zieht weiter Start-ups an – Marktvolumen dürfte bis 2020 auf 58 Mrd. Euro steigen

Im wachsenden Markt für junge Finanzfirmen hängt Berlin alle anderen Großstädte in Deutschland ab. Von deutschlandweit 544 erfassten "Fintechs" saßen per Ende September 179 in Berlin, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bank Comdirect.

Berlin zählt demnach mehr Finanz-Start-ups als die nächsten drei Konkurrenten zusammen: München (62), Frankfurt (58), Hamburg (53) folgen erst mit Abstand. "Berlin ist in einer anderen Liga", sagte Comdirect-Chef Arno Walter.

Gründergeist zieht weiter Start-ups an

Obwohl etablierte Partnerunternehmen eher an anderen Standorten säßen, ziehe Berlin mit seinem Gründergeist weiter Start-ups an. Zudem fließe das meiste Wagniskapital nach Berlin. Seit 2012 hätten Investoren 734 Mio. Euro in junge Finanzfirmen dort gesteckt – viel mehr als in Hamburg (212 Mio. Euro) oder München (155 Mio. Euro).

Junge Finanzfirmen machen etablierten Unternehmen Konkurrenz, indem sie etwa digitale Anwendungen für Zahlungen und Kredite, den Vertrieb von Versicherungen oder die Bewertung von Immobilien anbieten. Das deutsche Finanzministerium erwartet für die Branche ein rasantes Wachstum. Das Marktvolumen von Finanz-Start-ups dürfte von zuletzt 2,2 Mrd. auf 58 Mrd. Euro bis zum Jahr 2020 steigen, heißt es in einer am Dienstag vorgelegten Untersuchung. Bis 2035 könnten es bis zu 148 Mrd. Euro sein.

"Viele Ideen haben inzwischen einfach eine gewisse Marktreife erreicht"

2015 hat Comdirect zufolge die Zahl der Finanz-Start-ups mit über 150 Gründungen rasant zugenommen. Im laufenden Jahr habe sich der Boom aber deutlich abgeschwächt. "Viele Ideen haben inzwischen einfach eine gewisse Marktreife erreicht", sagte Walter. Zudem seien große Banken und Technologiekonzerne in den Markt eingestiegen. Das sorge für Zurückhaltung bei Gründern.

Trotz des Abstands zu Berlin herrsche auch andernorts viel Bewegung, heißt es in der Studie. So ziehe München viele Gründer für Immobilien-Services an und in Hamburg und Frankfurt dominierten Start-ups für Finanzierungen. In der hessischen Bankenmetropole habe sich seit 2014 die Zahl der "Fintechs" mehr als verdoppelt.

Die Stadt könne davon profitieren, dass sich immer mehr Finanzfirmen an Geschäftskunden statt an Endverbraucher richteten, meint Comdirect-Chef Walter. "Die Idee von Gründern, viele private Kunden zu erreichen, hat sich oftmals als eher schwierig und teuer erwiesen". Für Start-ups mit Fokus auf Unternehmen sei Frankfurt als Sitz vieler Finanzdienstleister attraktiv. (APA, 23.11. 2016)

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    foto: reuters
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