Korruptionsverdächtige spanische Abgeordnete Barbera gestorben

23. November 2016, 14:18
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Die einst führende Politikerin der konservativen Regierungspartei erlag am Mittwoch einem Herzinfarkt – Podemos boykottiert Schweigeminute

Madrid/Valencia – Die wegen Korruption angeklagte spanische Senatsabgeordnete Rita Barbera ist Mittwochfrüh in einem Madrider Hotel an einem Herzinfarkt verstorben. Erst am Montag war die 68-jährige Politikerin der konservativen Volkspartei (PP) stundenlang vom Untersuchungsrichter verhört worden.

Barbera, die wegen ihrer Verstrickung in mehrere Korruptionsskandale erst vor wenigen Monaten aus der Partei geworfen wurde, war 24 Jahre lang Bürgermeisterin der spanischen Mittelmeermetropole Valencia. In dieser Zeit sollen im Zug der Immobilienblase Korruptionsgelder in großer Höhe in Spaniens drittgrößter Stadt geflossen sein. Vor allem bei Megaprojekten wie dem gigantischen, über eine Milliarde Euro teuren Museums- und Freizeitkomplex "Stadt der Künste und der Wissenschaften".

"Sind zu weit gegangen"

Ob große Hotels gebaut oder Papstbesuche organisiert wurden, immer hielt jemand in Valencia die Hand auf. Am Ende kam so viel Schwarzgeld zusammen, dass man nicht mehr wusste, wie man es waschen sollte. Bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr wurden die PP-Anhänger in Valencia sogar gebeten, der Partei 1.000 Euro zu spenden. Sie bekamen das Geld in Form von je zwei 500-Euro-Scheinen zurück. "Wir sind zu weit gegangen", gab Asuncion Barbera, die Schwester der Bürgermeisterin, in einem von der Polizei mitgeschnittenen Telefongespräch zu.

Neben Barbera wird gegen fast die gesamte ehemalige PP-Führung Valencias wegen Untreue, Geldwäsche, Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder ermittelt. Lange versuchte die Parteiführung von Ministerpräsident Mariano Rajoy das Ausmaß der Korruption in Valencia als bedauerlichen Einzelfall darzustellen. Doch mittlerweile stehen Valencia und ihre "ewige Bürgermeisterin" als Symbol für die weitverbreitete Korruption in Spaniens konservativer Regierungspartei.

Aus diesem Grund weigerte sich die linke Protest- und Anti-Korruptionspartei Podemos auch, am Mittwoch im Parlament an der Schweigeminute für Rita Barbera teilzunehmen. "Wir bedauern ihren Tod als Mensch und übermitteln ihrer Familie und Freunden unser Bedauern. Aber eine Schweige- und Gedenkminute wäre eine postume Ehrung einer Korrupten", stellte Podemos-Chef Pablo Iglesias klar. (APA, 23.11.2016)

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