Ericsson soll Millionen an Bestechungsgeldern gezahlt haben

23. November 2016, 13:26
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Die Praxis soll sich über Jahre hingezogen haben. Der Telekomausrüster weist die Vorwürfe zurück

Stockholm – Frühere Manager werfen dem schwedischen Telekommunikationsausrüster Ericsson laut Medienberichten vor, über Jahre Millionensummen an Bestechungsgeldern gezahlt zu haben. "Enorme Summen wurden von der Konzernzentrale in Schweden via Zürich an geheime Empfänger rund um den Globus verschickt", berichtete die Zeitung "Dagens Nyheter" am Mittwoch.

Das Blatt und der schwedische Rundfunksender SR beriefen sich unter anderem auf einen früheren Ericsson-Manager, der dabei eine zentrale Rolle übernommen haben soll. Er habe der US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen zu den mutmaßlichen Schmiergeldern übergeben.

Über Malaysia und Jersey

Die Zahlungen sollen demnach zwischen 1998 und 2001 geflossen sein. Laut "Dagens Nyheter" belief sich eine der höchsten Summen auf 1,4 Milliarden Kronen (142,9 Millionen Euro). Sie sei auf Bankkonten in Malaysia transferiert worden. Eine andere Zahlung sei über die britische Kanalinsel Jersey nach Polen überwiesen worden.

Laut dem Rundfunksender SR gingen Zahlungen unter anderem an Politiker und hohe Staatsbedienstete in Costa Rica, auch an den früheren Präsidenten Miguel Angel Rodríguez. Sie seien erfolgt, als Ericsson in dem mittelamerikanischen Land um einen großen Vertrag mit dem Staat geworben habe.

"Aktive Korruption"

Der Sender berief sich in seinem Bericht auf Aussagen von "mehreren früheren Top-Managern". Sie hätten erläutert, "wie sie sich der aktiven Korruption schuldig gemacht haben, um Verträge in vielen Ländern zu bekommen". Schon seit 2010 berichten schwedische Medien von Vorwürfen zu systematischer Bestechung durch Ericsson, die das Unternehmen stets zurückwies.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP verwies eine Unternehmenssprecherin zu den neuen Berichten darauf, dass Ericsson vor 15 bis 20 Jahren in hohem Maß mit Handelsvertretern zusammengearbeitet habe. Dies hätten auch "viele andere Unternehmen" getan, die international tätig seien. Dieses Vorgehen könne "kosteneffizienter" sein als eine eigene Vertriebsabteilung. Inzwischen arbeite Ericsson aber nur noch mit wenigen Handelsvertretern zusammen.

Der Telekommunikationsausrüster hatte im Juni Ermittlungen gegen das Unternehmen in Griechenland und in den USA öffentlich gemacht. Laut schwedischer Presse geht es in den USA um mutmaßliche Unterschlagung von Gesellschaftsvermögen in China, bei den Ermittlungen in Griechenland um Korruption. (APA, 23.11.2016)

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