Ermittlung gegen Ärzte auf Sizilien wegen Tod einer Schwangeren

23. November 2016, 12:53
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"Aus Gewissensgründen" sollen Mediziner der Frau die medizinische Beendigung der Schwangerschaft verweigert haben

Rom – Die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Catania hat mit der Befragung von zwölf Ärzten begonnen, denen Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit dem Tod einer 32-jährigen Sizilianerin am 16. Oktober 2016 vorgeworfen wird. Die im fünften Monat schwangere Frau verstarb nach stundenlangem Leiden, nachdem sie leblose Zwillinge zur Welt gebracht hatte.

Die Frau war am 29. September wegen einer möglichen Fehlgeburt ins Krankenhaus von Catania eingeliefert worden. Am 15. Oktober hatte sich ihr Gesundheitszustand wesentlich verschlechtert. Laut den Familienangehörigen der Frau, die die Ärzte verklagt haben, verstarb sie an einer Blutvergiftung vor den Augen der Ärzte, die laut den Angehörigen untätig blieben.

Schwangerschaftsabbruch verweigert

"Aus Gewissensgründen" verweigerten sie demnach nämlich der Frau die medizinisch notwendige Beendigung der Schwangerschaft, weil bei einem Fötus noch ein Herzschlag wahrnehmbar war – obwohl der Fötus keinerlei Überlebenschance mehr hatte. "Meine Tochter schrie vor Schmerzen, und der Arzt sagte, er könne nichts tun", sagte der Vater der Frau.

Das Gesundheitsministerium in Rom leitete daraufhin eine Untersuchung ein. Die entsandten Inspektoren betonten in ihrem Bericht, dass die Patientin effizient behandelt worden sei und dass ihr Tod keineswegs mit der Einstellung der Gynäkologinnen zum Thema Abtreibung in Verbindung gesetzt werden könne. Eine Obduktion der Frau und der Föten wurde durchgeführt. Die Resultate werden demnächst veröffentlicht.

Kein Einzelfall

Der Fall hat in Italien für Aufregung gesorgt. Kritik gab es auch vom österreichischen Gynäkologen Christian Fiala, der von einem ähnlichen Fall in Irland berichtete, wo 2012 eine Frau in der 17. Schwangerschaftswoche ebenfalls an einer Blutvergiftung gestorben sei, weil der Herzschlag beim sterbenden Fötus noch hörbar war. Fiala: "Wir kennen weitere Fälle aus ganz Europa, in denen Frauen nur knapp überlebt haben. Das sind mittelalterliche Zustände, wenn die Gesundheit und das Leben von Frauen der katholischen Doktrin untergeordnet werden." (APA, 23.11.2016)

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