Getrennte Rechnungen verlangen

    28. November 2016, 13:59
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    Belebte Konsumation oder peinliche Groscherlzählerei

    foto: getty images/istockphoto / georgeclerk

    Pro
    von Eric Frey

    Wer mit Donald Trump in einem von dessen Hotel- oder Golfclubrestaurants diniert, wird nicht für sich selbst bezahlen. Erstens ist der neue Commander in Chief als Gastgeber über jeden Zweifel erhaben, und zweitens sind getrennte Rechnungen in der US-Gastronomie völlig unbekannt. Es gibt nur eine Rechnung pro Tisch, die von einem Gast bezahlt oder gleichmäßig geteilt wird.

    Aus Sicht der Wirte ist dies höchst vorteilhaft. Die Kellner ersparen sich das mühsame Auseinanderklauben der Rechnung, und es belebt die Konsumation. Denn wer teilt, wird bei der Bestellung nicht auf den Preis schauen. Im Gegenteil: Es ist höchst ärgerlich, wenn man sich ein Billiggericht aussucht und dann zusieht, wie das Gegenüber Trüffel, Steak und Hummer bestellt und guten Wein dazu. Dann schon lieber selbst zuschlagen.

    Je größer die Gruppe, desto höher treibt diese Dynamik, in der Sozialwissenschaft als "Problem des kollektiven Handelns" bekannt, die Kosten eines Dinners. Herr Trump hat damit seine Freude. Und die heimische Kellnerfrage "Zusammen oder getrennt?" könnte er nur als "disgusting" bezeichnen.

    Kontra
    von Doris Priesching

    Mit fortschreitendem Alter stellt sich heraus, dass zwar vieles, doch längst nicht alles zu schmeißen ist, was die Alten früher von sich gaben. Einer der Lieblingssätze meines Vaters war und ist zum Beispiel: "Wie das ausschaut!" Mehr empörter Ausruf denn analytische Erklärung, bezogen sich die Worte stets auf Situationen, in denen das eigene Ansehen oder das der Sippe durch Unschicklichkeiten aller Art bedroht war. Die dahinterstehende Frage "Was reden die Leut'?" trug zum Antrieb einer ganzen Generation bei: Kleidung war gebügelt, Schuhe waren geputzt, Gärten gepflegt.

    Im Restaurant wird dieser, dem sozialen Leben förderliche Grundgedanke gleich mehrfach schlagend. Das Kleingeldklauben am Ende eines Mahls ist würdelos, weil sich darin erstens die Kleinlichkeit der Klaubenden untereinander ausdrückt, zweitens jene vor dem Kellner, den das Schauspiel ("Ein Gebäck hab' ich auch noch gehabt!") verständlicherweise nervt.

    Am schlimmsten aber ist, dass Menschen an den Tischen ringsum die Groscherlzählerei mit ansehen müssen. Wir sollten auf unsere Väter hören. Manchmal. (RONDO, 28.11.2016)

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