Innsbrucker Medientag auf der Suche nach der "Glaubwürdigkeitskrise"

22. November 2016, 22:22
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APA-Geschäftsführer Pig sah Glaubwürdigkeitskrise "großteils herbeigeredet" – Für FM4-Urgestein Blumenau gibt es die Krise, "sobald die Medien selber daran glauben"

Innsbruck – Der Medientag der Uni Innsbruck hat am Dienstag mit einer Podiumsdiskussion geendet, die sich vor allem um die Frage der "Glaubwürdigkeitskrise" der klassischen Medien drehte. Die Diskutanten waren sich großteils einig, dass sich diese vor allem im Glauben der Medien daran manifestiere. APA-Geschäftsführer Clemens Pig etwa sprach von einer "großteils herbeigeredeten Glaubwürdigkeitskrise".

Auch die Politik nahm Pig in die Pflicht. Manche politische Proponenten würden durch eine "bewusst herbeikommunizierte Glaubwürdigkeitskrise" einen "Anschlag auf die etablierten Medien" verüben. Für Pig ist die "Medienbildung" das "spielentscheidende Argument", das gestärkt und ausgebaut gehöre. Es gehe um "Bildung, Bildung, Bildung".

Die Herausforderungen, vor allem wirtschaftlicher Natur, seien zwar groß, aber: "Das Wesensmerkmal der Medienbranche, sich selber herunterzuschreiben, ist auch sehr groß". Die Austria Presse Agentur setze jedenfalls auch in Zukunft auf "redaktionelle Unabhängigkeit durch wirtschaftliche Stärke", so Pig.

Moser Holding-Vorstandschef Hermann Petz meinte, die Frage der "Glaubwürdigkeitskrise" könne nicht global beantwortet werden. Man müsse unterscheiden zwischen internationalen, nationalen und regionalen Medien. Die entsprechenden Zahlen der "Tiroler Tageszeitung" seien jedenfalls seit vielen Jahren stabil, sagte Petz. Der Moser Holding-Chef kritisierte im gleichen Atemzug die "sozialen Medien" und verwies etwa auf die dort oft vorzufindenden "Hasspostings". Er frage sich, warum dabei nicht öfter das Strafrecht angewendet werde.

Zudem waren Petz in den sogenannten neuen Medien kursierende Phänomene wie etwa die "Horror-Clowns" ein Dorn im Auge. Man habe dadurch fast den Eindruck gehabt, dass ganz Tirol von den Clowns heimgesucht worden sei. "Das Thema war komplett gehypt. Dabei ist nichts passiert", so Petz.

Einen Boykott der sozialen Medien in der Berichterstattung der herkömmlichen wollte er nicht das Wort reden. "Das ist nicht das richtige Rezept. Aber in der Selektion gibt es eine starke Verbesserungsnotwendigkeit", erklärte Petz.

Für Journalist und FM4-Urgestein Martin Blumenau gibt es die "Glaubwürdigkeitskrise", "sobald die Medien selber daran glauben". Klassische Medien seien heutzutage der "Watschenmann der nationalistischen Demagogen". "Über die Medien wird versucht, das System zu schwächen und zu beschädigen", meinte er. Die Medien seien die vierte Gewalt im Staate und das "schwächste Glied in der Viererkette".

Kommunikationswissenschafter Alexander Haas sah die zentrale Frage darin, wie die Medien damit umgehen, "dass Teile der Bevölkerung ihnen nicht mehr glauben". Haas warnte vor "Cyber-Mobbing". Die Hemmschwelle sei online geringer, denn die Menschen würden sich denken, "sie tun es in der Anonymität". "Zudem glaubten sie, sie seien in der Mehrheit und im Recht", so Haas.

Der Medienwissenschafter Knut Hickethier stimmte in den allgemeinen Grundtenor mit ein und sah die "Glaubwürdigkeitskrise" ebenfalls als "Medienthema". In den "sozialen Medien" seien Reglementierung notwendig, um "Fakes oder Hasskommentare" zu stoppen. (APA, 22.11.2016)

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