Whatsapp-Gruppen

12. Jänner 2017, 16:07
73 Postings

Überschaubare Texterei oder Masse an Nachrichten

foto: reuters/ruvic

Pro
von Andrea Schurian

Facebook? Twitter? Nein danke, nichts für mich, ich leide nicht an Sprechdurchfall und brauche auch keine Hundertschaften an Followern und teils anonymen "Freunden", die ich an meinen Morgenritualen und Abendessensplänen teilhaben lassen will.

Abgesehen davon, dass ich die Daumen-Rauf-erei für einigermaßen albern halte. Und dann bin ich außerdem ja sowieso in der glücklichen Lage, meinen ausgebildeten Mitteilungsdrang beruflich ausleben zu können. Also nein, ich zähle mich nicht zu den autochthonen Natives der digitalen Klatschwelt. Einerseits.

Andererseits gruppiere ich mich gern mit der über die ganze Welt verstreuten Familie um den großen, reich gedeckten Familientisch aus der Whatsapp-Serie. Auch Freundeskreise, die dank Arbeitsüberlastung von der Auflösung bedroht sind, haben als überschaubare Whatsapp-Gruppe eine größere Überlebenschance. Eine kleine Texterei geht immer, auch um zwei Uhr morgens.

Und: Ich weiß, wem ich was sage und wer mitlesen kann. Familie. Gute Freunde. Keine Follower.

Kontra
von Oona Kroisleitner

"Jakob hat dich zur Gruppe Dr. Strange hinzugefügt", steht auf dem Handydisplay. Eine Minute später: "Jakob hat ein Bild gesendet." Ein Screenshot, der alle Informationen über den Kinofilm, den wir uns am Vorabend ausgemacht haben anzusehen, beinhaltet. "Welches Kino?", fragt Jonas. "Wann?" Dass in der Whatsapp-Gruppe nur vier Leute sind, macht die Masse an Nachrichten, die gepusht werden, nicht weniger. Auch nicht dass eigentlich alles bereits besprochen ist. Im Minutentakt vibriert das Telefon. Gibt es nichts mehr zu sagen, wird auf Gifs und Smileys gewechselt.

Whatsapp-Gruppen treten wie Gelsen auf. Hat man einmal ein Fenster für die lästigen Massennachrichten geöffnet, werden sie immer mehr. Und je mehr sie werden, desto mühsamer sind sie. Man erfährt von Nummern, die man nicht kennt, dass sie leider keine Zeit für die Party haben. "Sorry, grade in Florenz." – "Schade." Ja, wirklich sehr schade. Schmeißt man die Nerven weg und verlässt die Gruppe, riskiert man den Zorn der Missachteten. Also bleibt man. Was ist schon ein Gelsenstich? Herzchen. <3. (RONDO Digital, 12.1.2017)

Share if you care.