Fliegen fallen nach salziger und eiweißreicher Mahlzeit ins "Fresskoma"

26. November 2016, 21:12
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Fruchtfliege hält ähnlich wie der Mensch einen Verdauungsschlaf

Miami – Nach einem guten und üppigen Mahl wird man meistens müde. Diese postprandiale Trägheit ist jedoch nicht allein den Säugetieren vorbehalten: US-Forscher haben das "Fresskoma" bei der Taufliege Drosophila melanogaster untersucht und so einige der Mechanismen hinter diesem Phänomen entschlüsselt. Ähnlich wie Menschen schlafen auch Taufliegen nach größeren Mahlzeiten länger. Mit Robert Huber (Harvard University und Bowling Green State University) war auch ein Salzburger an der Studie beteiligt.

Außerdem beeinflusste die Art der Nahrung den Schlaf nach dem Fressen, wie das Team um William Ja vom Scripps Research Institute in Jupiter, Florida, im Fachblatt "eLife" berichtet. "Bei Drosophila gibt es einen gut dokumentierten Zusammenhang zwischen Schlaf und Stoffwechsel, durch den die Fliegen das Schlafen unterdrücken und ihre Aktivität steigern, wenn sie ausgehungert sind", erklärte Ja gemäß einer Mitteilung des Fachjournals vom Dienstag. Die direkten Auswirkungen der Nahrung auf das Schlafverhalten von Drosophila seien aber wegen fehlender Methoden bisher kaum untersucht worden.

"Verdauungsschläfchen" von 20 bis 40 Minuten

Um das zu ändern, entwickelten Ja und sein Team ein System, mit dem sich das Fressen und Schlafen der Tiere visuell verfolgen ließen. Durch die Aufnahmen stellten die Forschenden fest, dass die Fliegen nach einer Mahlzeit ein "Verdauungsschläfchen" von 20 bis 40 Minuten halten. Je größer die Mahlzeit, desto länger war das Nickerchen danach.

Ja und seine Kollegen untersuchten außerdem, ob einzelne Bestandteile der Nahrung einen Einfluss auf das "Fresskoma" der Taufliegen haben. Dazu fütterten sie die Tiere mit Nahrung aus Eiweiß, Salz oder Zucker. Wie sich herausstellte hatten nur Eiweiß und Salz einen Effekt und machten die Fliegen schläfriger. Zucker änderte nichts am Schlafbedürfnis.

Offenbar lasse sich die Schläfrigkeit nach dem Essen also über die Nahrungszusammensetzung steuern, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit. Mit gentechnischen Methoden identifizierten die Wissenschafter die Nervenschaltkreise bei Drosophila, die an der Müdigkeit nach dem Essen beteiligt sind. Dabei stach beispielsweise eine Gruppe von Nervenzellen hervor, die aus früheren Studien als Regulatoren der aufgenommenen Nahrungsmenge bekannt waren. Sie steuern einen Verhaltenswechsel während der Nahrungsaufnahme.

Schläfrigkeit nach proteinreicher Mahlzeit

Ein Teil dieser Nervenzellen war der neuen Studie zufolge notwendig, um den Verdauungsschlaf spezifisch nach eiweißreicher Nahrung auszulösen. Schalteten die Forschenden diese Nervenzellen aus, waren die Fliegen nach der Protein-Mahlzeit sogar wacher als normalerweise, beispielsweise nach der zuckerreichen Nahrung.

Das könne darauf hinweisen, dass Eiweiß sowohl einen Schlaf- als auch einen Weckimpuls auslöse, erklärte Studienautor Keith Murphy gemäß der Mitteilung. Der Weckimpuls werde aber überlagert durch die Aktivität der besagten Nervenzellen.

Weitere am "Fresskoma" beteiligte Schaltkreise scheinen auch von der inneren Uhr der Taufliege abzuhängen: Die Schläfrigkeit nach Mahlzeiten werde dadurch während der Abenddämmerung reduziert, so die Forschenden.

Das von ihnen vorgestellte System, um Schlaf- und Fressverhalten bei den Insekten zu beobachten, solle weitere Studien an den grundlegenden Mechanismen ermöglichen, sagte Ja. "Da Schlaf ein verletzlicher Zustand für Tiere in freier Natur ist, wird es interessant sein herauszufinden, warum Verdauungsschläfchen notwendig sind". (APA, red, 26.11.2016)

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