Europaspiele in Minsk: Sportfreunde, lauter!

Kommentar22. November 2016, 17:35
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Trainer und Sportler sind gefragt, Themen wie Minsk 2019 zu debattieren

Die an Minsk vergebenen Europaspiele 2019 machen ein prinzipielles Problem des Sports deutlich. Welche Länder sind noch in der Lage und willens, große Events auszurichten? Deutschland, Italien und die Niederlande sind es nicht, sie alle haben geplante Bewerbungen zurückgezogen. Man konnte es nachvollziehen angesichts der Kosten- und Sicherheitsfrage, angesichts des Unmuts darüber in der Bevölkerung. Bleiben Katar, Aserbaidschan und Weißrussland, hier werden Kosten kaum hinterfragt, wird selten Unmut geäußert.

Minsk, wo seit 1994 der autoritäre Alexander Lukaschenko an der Spitze des Landes – und auch des Olympischen Komitees – steht, gilt nicht unbedingt als Hort der Menschenrechtspflege. Weißrussland ist das einzige europäische Land, in dem – mehrmals jährlich – die Todesstrafe verhängt und per Genickschuss vollstreckt wird. Nun verweisen Sportfunktionäre, auch in Österreich, gerne darauf, dass Sportevents den Blick der Öffentlichkeit erst auf Missstände im Gastgeberland lenken. Mag sein, doch hat je ein Sportevent an einem Missstand etwas geändert?

Hat die Welt wirklich Europaspiele gebraucht, mit denen sich Autokraten schmücken? Wenn Funktionäre und Politiker – aus welchem Kalkül auch immer – schweigen, wären Trainer und Sportler gefragt, Themen wie Minsk 2019 zu debattieren. Auf dieser Ebene herrscht in Österreich meistens Achselzucken. Sportfreunde, lauter! (Fritz Neumann, 22.11.2016)

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