Untermieter in Nestern von Bienenfressern sorgen für Hygiene

22. November 2016, 17:11
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Die bunten Vögel kümmern sich wenig um Sauberkeit in der Bruthöhle. Diese Aufgabe übernehmen Fliegenlarven

Wien – Bienenfresser sind bunte, geräuschvolle Vögel, die sich allerdings wenig um die Sauberkeit in ihren Nestern kümmern. Kot und Futterreste der Jungen werden nicht entfernt, sondern verrotten einfach in ihren Bruthöhlen, was den Vögeln letztlich einige Mitbewohner beschert. Normalerweise würde das dem Nachwuchs schaden – wenn nicht einer der Untermieter für die nötige Reinigung sorgen würde: Wiener Forscher haben nun herausgefunden, dass Fliegenlarven den Abfall verputzen und so die Bedingungen in den Nestern verbessern.

In einem Vogelnest sind die Eltern keineswegs mit ihrem Nachwuchs alleine, zum Beispiel Bienenfresser aus der Ordnung der Rackenvögel teilen ihre Bruthöhle mit über hundert anderen Tierarten, so die Forscher um Herbert Hoi vom Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Viele kleine wirbellose Tierchen – vornehmlich Insekten -, werden nämlich von den stabilen, geschützten Bedingungen im Nest und einem reichen Nahrungsangebot angelockt.

Fliegenlarven-Putzkolonne

Zu den Mitbewohnern der Europäischen Bienenfressers (Merops apiaster) gehören etwa verschiedene Arten der Fliegen-Gattung Fannia. Auch sie legen ihre Eier im Nest und daraus schlüpfen Maden, die sich vom Unrat der Hausherren ernähren. Die Wissenschafter untersuchten nun, ob dies den Vögeln einen erkennbaren Vorteil bringt. Von der Eiablage bis zum Flüggewerden der Jungvögel sammeln sich nämlich am Boden der Bruthöhlen beträchtliche Mengen an Futterresten, Kot und Hautschuppen. Dadurch können Gase entstehen, die für die Gesundheit der Jungen nicht gerade förderlich sind.

Die Vogelkundler gaben in manche Bienenfresser-Höhlen mehr Fliegenlarven, bei anderen nahmen sie welche heraus. Eine und zwei Wochen nach dem Schlüpfen wogen sie die Jungvögel aus solchen Nestern und sahen sich an, wie groß sie waren. "Die kleinen Bienenfresser sind mit einer Woche noch komplett nackt, etwa mit vierzehn Tagen bekommen sie die ersten Federn", erzählte Hoi. Flügge sind sie mit ungefähr drei Wochen.

In den Höhlen mit zusätzlichen Fliegenlarven waren die Jungvögel größer und schwerer als in unveränderten Nestern. Wo sie wiederum die Anzahl der Fannia-Larven reduziert hatten, waren die Bienenfresser-Jungen deutlich kleiner und leichter als ihre Altersgenossen in anderen Bruthöhlen, wie die Forscher im Fachblatt "Journal of Ornithology" berichten. Offensichtlich kann sich der Nachwuchs der nicht auf Reinlichkeit bedachten Bienenfresser erst durch die Aktivitäten der Insektenlarven gut entwickeln. (APA, red, 22.11.2016)

  • Die ausgewachsenen Europäischen Bienenfresser sind farbenfrohe Vögel.
    foto: vince smith

    Die ausgewachsenen Europäischen Bienenfresser sind farbenfrohe Vögel.

  • Von Sauberkeit in ihren Bruthöhlen halten sie allerdings offenbar wenig. Untermieter in Form von Fliegenlarven springen deshalb in die Bresche und sorgen für Hygiene.
    foto: herbert hoi/vetmeduni vienna

    Von Sauberkeit in ihren Bruthöhlen halten sie allerdings offenbar wenig. Untermieter in Form von Fliegenlarven springen deshalb in die Bresche und sorgen für Hygiene.

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