Pickel, Mitesser: Hauttechnischer Super-Gau für die Eitelkeit

30. März 2017, 14:25
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Es gibt aber ein paar wirkungsvolle Gegenstrategien

Es ist immer wieder ein ähnliches Gefühl. Es beginnt mit einem Schmerz, so als wäre da ein blauer Fleck im Gesicht. Ziemlich bald wird dann eine unterirdische Verhärtung spürbar. Sie wächst. Bäumt sich auf. Rötet sich. "Ich weiß, dass es nur die wenigsten aushalten, nichts dagegen zu unternehmen", sagt der Wiener Dermatologe Markus Dawid und zitiert einen Hamburger Kollegen, der einmal meinte, die ärgsten Feinde der Haut seien die zehn Finger. Beim Pickelausdrücken wird die Entzündung nur noch viel schlimmer, "vor allem entstehen Narben, die nie wieder weggehen", konkretisiert Dawid und gibt gerne einen Schnellsiedekurs in Sachen Akne.

Störfälle

Was vielen nicht bewusst ist: Unsere gesamte Haut, auch die im Gesicht, ist mit feinen Härchen überzogen. Dort, wo sie in der Dermis verankert sind, befinden sich auch die Talgdrüsen. Ihre Aufgabe ist es, jene Fette zu produzieren, die die Hülle des Menschen geschmeidig halten. Insofern sind die Härchen eine Art Transportmittel, damit unsere Haut nicht austrocknet. Pickel sind in diesem gut ausgeklügelten Zusammenspiel sozusagen Störfälle: Die Talgdrüse wird durch abgestorbene Hornzellen verstopft. Dadurch entsteht tatsächlich so etwas wie ein Vulkan. Der Talg kann nicht raus.

In diesem Ambiente spielt auch Testosteron eine Rolle, das an den Rezeptoren der Talgdrüse andockt. Irgendwann mischen sich auch noch Bakterien in das Geschehen mit ein. Wenn an so einer Stelle herumgedrückt wird, verschlimmert sich die Lage. Wer Pech hat, macht sich Narben, die nie wieder verschwinden.

Rein und unrein

Auch der Talg selbst spielt eine Rolle, konkret seine Flüssigkeit, die bei Menschen, die zu Pickel neigen, eher zäh ist. Was Hautarzt Markus Dawid stört, ist der Begriff "unreine Haut – ein Begriff, den die Kosmetikindustrie erfunden hat", wie er betont. Es habe nichts mit sauber und schmutzig zu tun. Auch nicht bei Mitessern, die es in hellen und dunklen Varianten gibt. Letztere sind oxidierte Talgpfropfen.

Wer zu Pickeln, Mitessern und Unterlagerungen neigt, sollte deshalb regelmäßig zur professionellen Hautreinigung bei einer Kosmetikerin, die eine "Akne-Toilette" anbietet, so der Fachbegriff für Dampfreinigung, sanftes Peeling und Ausreinigung. Wer sich selbst um die Entfernung seiner Pickel kümmern will, sollte es wenn schon, dann wenigstens fachmännisch machen.

Das heißt: niemals drücken und erst dann aktiv werden, wenn das gelbe Eiterbläschen sichtbar ist. Dieses, so Dawid, sollte eröffnet werden, nicht mit Nadeln, sondern mit Blutzuckerlanzetten aus der Apotheke, weil diese keimfrei verpackt sind. Durch den haarfeinen Schnitt kann das infektiöse Material von selbst abfließen. Gegen Mitesser gibt es im Drogeriemarkt sogenannte Komedonenquetscher, die einen Unterdruck erzeugen und auf diese Weise Verstopfungen lösen.

Sorgfalt ist empfehlenswert

Und was ist mit Ernährung? Macht Schokolade Pickel, wie viele vermuten? "Dazu gibt es keine wissenschaftlich abgesicherten Daten", sagt Dawid. Auch dass Stress immer Auslöser für Akne sei, stimme nicht bei allen Patienten. Und ganz allgemein, präzisiert er, sei Akne nur der Überbegriff für eine ganze Reihe unterschiedlicher Erkrankungen der Talgdrüsen – Babyakne, Akne im Teenageralter und gelegentliche Pickel im Erwachsenenalter sind aus dermatologischer Sicht vollkommen unterschiedliche Phänomene.

Ganz allgemein gilt: Sorgfalt bei der Gesichtspflege ist in jedem Fall empfehlenswert. Wer ohne das Gesicht zu waschen ins Bett geht, ist selbst schuld. Kosmetikmarken aus der Apotheke (La Roche-Posay, Bioderma, Louis Widmer) haben einen Schwerpunkt auf Hautproblemen und eine Armada an Spezialprodukten: von Reinigung und Gesichtswasser über Cremes bis zu speziellen Abdeckprodukten. Abgesehen davon werden Gesichtsmasken empfohlen, etwa mit Tonerde (L'Oréal Paris), Vitamin B3 (Kiehl's) oder Pflege mit tropischen Harzen speziell für fettige Haut (Sisley).

All jene, die es aushalten, nichts gegen die Vulkane unter der Haut zu unternehmen, brauchen übrigens Geduld für zirka drei bis sieben Tage. So lange braucht nämlich ein Pickel, um von selbst wieder zu verschwinden. (Karin Pollack, RONDO, 30.3.2017)

La Roche-Posays Antwort auf Pickel: Effaclar. Duo unifiant mit Tönung. (16,90 Euro)

foto: hersteller

Louis Widmer hat in der Skin-Appeal-Serie gegen Akne diesen Abdeckstift. (9,20 Euro)

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La Prairie macht mit Cellular Super Peel den Kampf gegen Pickel zum Luxus. (200 Euro)

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Bioderma hat mit Sébium Global ein Rezept gegen Entzündungen. (14,90 Euro)

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Kiehl's hat zwei Notfallprodukte für Erwachsene namens Breakout Control. (29 Euro)

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L'Oréal Paris klärt Haut mit Tonerde in Skin Expert Absolue Reinigungsmaske. (9,95 Euro)

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Sebamed hat eine Pflegelinie für unreine Haut mit einem Waschpeeling. (6,75 Euro)

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Sisley hat die Linie Résine tropicale für fettige Haut inklusive Waschgel. (69,55 Euro)

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  • Pickel sind in diesem gut ausgeklügelten Zusammenspiel sozusagen Störfälle: Die Talgdrüse wird durch abgestorbene Hornzellen verstopft.
    illustration: dennis eriksson

    Pickel sind in diesem gut ausgeklügelten Zusammenspiel sozusagen Störfälle: Die Talgdrüse wird durch abgestorbene Hornzellen verstopft.

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