Fußball: US-Verband beurlaubt Klinsmann – Auch Herzog muss gehen

22. November 2016, 11:25
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Amerikaner gerieten zuletzt in WM-Quali in Hintertreffen, die Teilnahme an der Endrunde 2018 ist in Gefahr

Chicago – Jürgen Klinsmann ist nach mehr als fünf Jahren seinen Posten als Teamchef der Fußball-Nationalmannschaft der USA los. Nach zuletzt zwei bitteren Niederlagen in der WM-Qualifikation gab der US-Verband am Montag die Trennung vom DFB-Ehrenspielführer bekannt. Auch der österreichische Assistent Andreas Herzog muss gehen, der Wiener zog aber dennoch ein positives Resümee seiner Zeit beim US-Team. "Ich bin nicht sauer oder böse. Es waren fünf wunderschöne Jahre. Ich danke Klinsmann und dem US-Verband, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, diesen Job auszuüben", erklärte er.

Als Highlight nannte der Ende 2011 zum US-Team gestoßene Herzog den Gold-Cup-Sieg 2013, den WM-Achtelfinal-Einzug 2014 und die Teilnahme im Semifinale der Copa America im vergangenen Sommer. "Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und mich als Persönlichkeit weiterentwickelt."

Tätigkeit als Sportdirektor oder Trainer denkbar

Der Vertrag von Herzog wurde nach der WM 2014 bis Sommer 2018 verlängert, nun steht eine vorzeitige Auflösung des Kontrakts an. Damit ist der 48-Jährige, der vor seiner Tätigkeit in den USA beim ÖFB als Teamchef-Assistent und U21-Nationalcoach fungierte, frei für neue Aufgaben. "Was meine berufliche Zukunft betrifft, habe ich keine Eile und lasse alles auf mich zukommen." Für ihn sei künftig sowohl eine Tätigkeit als Sportdirektor als auch als Trainer denkbar.

US-Verbandschef fordert Richtungswechsel

Die Amerikaner drohen angesichts der jüngsten Misserfolge die WM 2018 in Russland zu verpassen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir jetzt eine andere Richtung einschlagen müssen", kommentierte Verbandschef Sunil Gulati die Entscheidung. Der 52-Jährige Klinsmann hatte die US-Amerikaner seit Juli 2011 trainiert.

Die Beurlaubung von Klinsmann, Weltmeister von 1990 und ehemaliger deutscher Teamchef, hatte sich zuletzt bereits angedeutet. Beim 0:4 in Costa Rica in der vergangenen Woche hatten die US-Fußballer die höchste Pleite in der WM-Qualifikation seit 1957 kassiert. Gulati verweigerte Klinsmann anschließend die Rückendeckung und kündigte Gespräche mit dem Deutschen an. Nun folgte die Trennung – obwohl Klinsmann im US-Verband jede Menge vorangebracht hat, wie der Präsident einräumte. "Er hat jeden in unserem Verband dazu aufgefordert, neue Wege zu gehen. Dank ihm sind wir als Organisation gewachsen", lobte Gulati.

WM-Teilnahme in Gefahr

Der Druck hatte schon nach dem 1:2 gegen den Erzrivalen Mexiko am 12. November erheblich zugenommen. Mit null Punkten und einem Torverhältnis von 1:6 stehen die US-Boys momentan auf dem letzten Tabellenplatz der Sechser-Endrunde, die Teilnahme an der WM 2018 in Russland ist stark gefährdet. Nur die ersten drei Mannschaften qualifizieren sich direkt, der Vierte hat noch die Chance über die Play-offs. Derzeit haben Costa Rica (6 Punkte), Mexiko (4) und Panama (4) die besten Aussichten. Auch Honduras (3) und Trinidad & Tobago (0) liegen in der Tabelle noch vor den Amerikanern.

Klinsmann hatte sich zuletzt auffällig viele taktische Fehler ankreiden müssen. Nach seinem Fauxpas gegen Mexiko, als er im ungewohnten 3-5-2-System begann und nach einer halben Stunde alles über den Haufen warf, stellte er gegen Costa Rica wieder auf 4-4-2 um – was ebenfalls nicht funktionierte.

Der ehemalige Stürmer war im Juli 2011 als Nachfolger von Bob Bradley als US-Coach berufen worden. Zuvor hatte Klinsmann das DFB-Team während der WM 2006 im eigenen Land trainiert und in der Saison 2008/2009 den FC Bayern München. Die Bayern hatten sich kurz vor Ablauf der Spielzeit im April 2009 wieder von Klinsmann getrennt – damals ebenfalls wegen ausbleibender Erfolge. (APA, 22.11.2016)

  • Jürgen Klinsmann muss gehen, Andreas Herzog detto.
    foto: reuters/rebilas

    Jürgen Klinsmann muss gehen, Andreas Herzog detto.

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