Afrikas Ölriese Nigeria wankt noch immer

22. November 2016, 12:00
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Viele Jahre hat sich Nigeria auf das Geschäft mit dem Öl verlassen. Seit die Preise im Keller sind, fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Korruption floriert

Der Taxifahrer Musa Bello fleht fast ein wenig: "Vielleicht 600 Naira?", fragt er und versucht, den Fahrpreis ein wenig anzuheben. Normal für die knapp zehn Kilometer lange Strecke in Nigerias Hauptstadt Abuja sind 500 Naira, umgerechnet etwa ein Euro. Der Preis ist seit vielen Jahren stabil. Das ist eine Seltenheit geworden. Denn wer vom Taxi aussteigt und in den Supermarkt hüpft, muss immer mehr auf den Tisch legen.

In Afrikas einwohnerreichstem Staat steigen die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis stark an. Für den 50-Kilo-Sack müssen aktuell mindestens 19.000 Naira hingelegt werden. Der Mindestlohn, der längst nicht immer und auch nicht in allen Branchen gezahlt wird, beträgt 18.000 Naira. Jeder Zweite ist laut Weltbank extrem arm.

Stark steigende Preise

Wie schlecht es um die Wirtschaft bestellt ist, machen auch offizielle Zahlen deutlich. Die Inflationsrate liegt bei knapp 18 Prozent. Das nationale Statistikbüro geht von der schwersten Rezession seit 29 Jahren aus, und der Naira ist weiter im Sinkflug. Aktuell bekommt man für einen Euro 490 Naira. Im Februar waren es lediglich 340 Naira, was schon einer drastischen Abwertung der Währung des Landes gleichkam.

Geld gewechselt wird in Nigeria traditionell in den zahlreichen mobilen Wechselstuben. Laut einem Medienbericht wurden gerade zahlreiche Geldwechsler verhaftet. Damit soll die Durchsetzung des offiziellen Wechselkurses der Zentralbank durchgesetzt werden, der in US-Dollar angegeben wird und bei 1:305 liegt. Der Schwarzmarkt floriert weiter.

Grund für die wirtschaftliche Misere ist der stark gesunkene Ölpreis, eine immens wichtige Einkommensquelle. Nigeria ist der sechstgrößte Öllieferant auf der Welt und hat sich seit den ersten Funden im Jahr 1956 im heutigen Bundesstaat Bayelsa stets auf das schwarze Gold verlassen, das über Jahrzehnte Devisen ins Land spülte. Es war oft günstiger, Produkte zu importieren als selbst herzustellen.

Kaum eigene Produkte

Genau das fällt dem Staat, in dem mindestens 180 Millionen Einwohner leben, nun auf den Kopf. Seit Monaten macht Präsident Muhammadu Buhari Werbung für heimische Produkte. "Wir erlauben nicht mehr, dass unsere Märkte mit Dingen überschwemmt werden, die wir selbst produzieren können. Wir müssen an unser System glauben." Tatsächlich tauchen in den Supermärkten mehr Produkte "Made in Nigeria" auf, getrocknete Mangostreifen etwa oder Spaghetti aus dem Hause Dangote.

Aliko Dangote, laut Forbes der reichste Afrikaner und eigentlich bekannt für sein Zement- und Zuckerrohrimperium, forderte die Regierung kürzlich auf, mehr in Infrastruktur zu investieren und endlich Arbeitsplätze zu schaffen. Nicht geäußert hat er sich jedoch zu einem ebenso gravierenden Problem: die Korruption.

Nigeria ist hinlänglich dafür bekannt. Als vor knapp zwei Jahren der Wahlkampf tobte, hatte die Korruptionsbekämpfung neben dem Zurückdrängen der Terrorgruppe Boko Haram für Präsidentschaftskandidat Buhari oberste Priorität. Tatsächlich wurden ein paar spektakuläre Fälle aufgedeckt. Verurteilt worden ist bisher aber noch niemand.

Viele Nigerianer sind enttäuscht, schließlich ist auch die Korruption ein Grund für die Probleme. Um welche Summen es geht, hat der Ex-Zentralbankchef, Lamido Sanusi, deutlich gemacht. 20 Milliarden US-Dollar fehlen in den Büchern der staatlichen Ölgesellschaft, sagte er. (Katrin Gänsler aus Abuja, 22.11.2016)

  • Ein Mann mit Benzinkanistern auf dem Weg zu einer Tankstelle in Abuja. Nigerias Hauptstadt kämpft mit den Verwerfungen der Wirtschaftskrise des Landes. Seit der Ölpreis eingebrochen ist, haben viele ihre Jobs verloren. Die Menschen können sich immer weniger leisten.
    foto: ap/alamba

    Ein Mann mit Benzinkanistern auf dem Weg zu einer Tankstelle in Abuja. Nigerias Hauptstadt kämpft mit den Verwerfungen der Wirtschaftskrise des Landes. Seit der Ölpreis eingebrochen ist, haben viele ihre Jobs verloren. Die Menschen können sich immer weniger leisten.

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