Einzigartig: Ameisen auf Fidschi betreiben Kaffeegewächszucht

21. November 2016, 17:54
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Deutsche Forscher entdeckten im Südpazifik Ameisen, die auf Bäumen Pflanzen züchten, um in ihnen zu wohnen und sich an ihnen zu laben

München/Wien – Ameisen sind nicht nur soziale Insekten: Sie leben oft auch in enger Symbiose mit anderen Lebewesen. In unseren Breiten kennt man die Zusammenarbeit mit Blattläusen, die von den Ameisen gepflegt und vor Marienkäfern geschützt werden. Als "Dank" dafür lassen sich die Blattläuse von den Ameisen "melken".

Neben dieser Form von Viehzucht gibt es bei den mehr als 13.000 beschriebenen Ameisenarten aber noch andere Formen von entwickelter Landwirtschaft: Südamerikanische Blattschneiderameisen zum Beispiel bauen in ihren Nestern Pilze an; andere Arten kollaborieren mit Schmetterlingsraupen, die ein süßes Sekret an die Ameisen abgeben, die sie dafür beschützen.

Neue Form der Kooperation

Ameisen können aber auch in Symbiose mit Pflanzen leben: Einige Ameisenspezies beispielsweise leben in bestimmten Pflanzen, die von den Insekten umgekehrt vor Fraß und Konkurrenz geschützt werden. Eine einzigartige und bisher unbekannte Form der Kooperation mit Pflanzen haben nun Susanne Renner und ihr Dissertant Guillaume Chomicki (beide von der Uni München) bei einer Ameisenart im Südpazifik entdeckt: Eine Art von Pflanzenzucht, die auch menschlichen Landwirten zur Ehre gereichen würde.

Wie die beiden Biologen im Fachjournal "Nature Plants" berichten, pflanzt die auf Fidschi lebende Ameisenart Philidris nagasau Samen von sechs Arten von Kaffeegewächsen in Baumrinde. Diese Pflanzen aus der Familie der Rubiaceae sind sogenannte Epiphyten, also Aufsitzerpflanzen, die unter anderem auf Bäumen wachsen und selbst keinen Zugang zu Nährstoffen aus dem Boden haben.

Dafür sorgen in diesem konkreten Fall die Ameisen, die sich aufopfernd um ihre Sämlinge kümmern: Die Arbeiterinnen düngen die Sprösslinge auf den Bäumen mit ihrem Kot und Urin. Dazu werden die Jungpflanzen in wechselnden Schichten bewacht: "Im Grunde verhalten sich die Ameisen wie Menschen, die Reis pflanzen oder Mais düngen, bevor sie ihn ernten", sagt Susanne Renner.

Wechselseitiger Nutzen

Die Investitionen der Ameisen tragen später buchstäblich Früchte. Zunächst einmal haben sie die Arbeit der Pflanzenpflege, ohne einen unmittelbaren Vorteil zu haben. Der stellt sich erst nach einiger Zeit ein und ist wechselseitig: Die Pflanze kommt mit Hilfe der Ameise in die Krone bestimmter Urwaldriesen und damit näher ans Licht. Quasi als Belohnung entwickeln die Kaffeegewächse Hohlräume, in denen die Ameisen ihre Larven heranziehen und in denen die Königin residiert. Außerdem können die Ameisen ihren Nektar ernten. Die Beherbergung der Ameisen schützt die Pflanze wiederum vor Feinden.

Wie "klug" die Ameisen dabei vorgehen, zeigte sich bei Tests: So legten die Forscher Reiskörner oder die Samen anderer Pflanzen aus. Doch die Ameisen positionierten stets nur die richtigen Samen an den richtigen Stellen. Das Forscherduo vermutet, dass die Insekten die Samen an ihrem Duft erkennen. Außerdem pflanzen die Ameisen ihre zukünftigen Behausungen nur auf bestimmten Bäumen, deren Rinde geeignet ist.

Bewährt seit drei Millionen Jahren

Mit Intelligenz hat das Verhalten aber nichts zu tun. Es ist vielmehr im Erbgut der Ameisen fest verankert – und das seit vermutlich rund drei Millionen Jahren. Die Symbiose der Blattschneiderameisen mit den Pilzkulturen dürfte hingegen bereits rund 50 Millionen Jahre alt sein.

Die Kollaboration auf den Fidschi-Inseln hat sich aber so sehr bewährt, dass sich die Pflanzen mittlerweile nur mehr mithilfe der Ameisen ausbreiten können. Umgekehrt würden die Ameisen ohne die Pflanzen nicht überleben – was diese Beziehung zu einem besonders spannenden Beispiel für die Bedeutung von Kooperation in der Evolution macht. (Klaus Taschwer, 21.11.2016)

  • Ameisenbehausungen mit prächtiger Aussicht: Die Insekten züchten auf Bäumen jene Kaffeegewächse, in deren Knollen sie leben können.
    guillaume chomicki

    Ameisenbehausungen mit prächtiger Aussicht: Die Insekten züchten auf Bäumen jene Kaffeegewächse, in deren Knollen sie leben können.

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