Blue Bird Festival: Wüteriche und traurige Iren

21. November 2016, 16:02
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Das Songwriter-Festival in Wien bietet 2016 ein erlesenes Programm

Wien – Lange Zeit war er Sideman und tragende Säule zugleich. Ein verlässlicher Wüterich mit bohrendem Blick. So stand er mit Sonic Youth gut 30 Jahre lang auf der Bühne, neben Kim Gordon und Thurston Moore. Dabei schrieb und sang er nicht selten die besseren Songs, wenn er sich dazu aufraffte. Sonic Youth sind Geschichte, Lee Ranaldo ist auf Solopfaden unterwegs. Dabei hat er zwei, drei erlesene Alben veröffentlicht, zurzeit tourt er mit El Ray durch Europa, am kommenden Freitag ist er in Wien zu erleben.

foto: panos georgiou
Seit einigen Jahren auf Solopfaden unterwegs, derzeit tourt er mit El Ray durch Europa und gastiert beim Blue Bird Festival in Wien: der Singer-Songwriter und Ex-Sonic-Youth-Mann Lee Ranaldo.

Im Rahmen des Songwriterfestivals Blue Bird tritt er im Porgy & Bess auf, tags darauf im Kino Ebensee. Die Lärmeskapaden der Sonic Youth sind traditionelleren Songs gewichen, in denen der 60-Jährige sein Gespür für große Melodien auslebt.

Blue Bird dauert drei Tage. Ab Donnerstag präsentiert es mehr als ein Dutzend Acts, die der weit umrissenen Vorgabe Songwriter entsprechen. Veranstalter ist ORF-Kulturredakteur Klaus Totzler, heuer bietet er ein weit gestreutes, internationales Programm. Neben Lee Ranaldo ist der Brite Paul Rowland zu erleben, der seit den späten 1970er-Jahren im Fach überzeugt.

Atmosphärische Überdosis

Mit dabei auch Neil Halstead, Brite, Mitte 40. Er war Chef der Shoegazer Slowdive, später von der in der Nähe von Mazzy Star und Reform-Country angesiedelten Mojave 3. Beides Formationen, deren Musik mit atmosphärischer Überdosis zu überzeugen wusste, solo hat er keinen Anlass, diese Qualitäten nicht ebenfalls zu zeigen. Headliner des letzten Abends ist die Texanerin Sarah Jaffe. Die ist traditionell genug, dass sie schon mit Norah Jones tourte, gleichzeitig so unberechenbar, um denselben Job für verwehte Nachtgestalten wie Lou Reed, selig, oder Chelsea Wolfe zu erledigen. In ihrem klassischen Songwriting gibt es immer wieder Ausbrüche, unerwartete Haken. In Balance halten sie einnehmende Streicher, die Stimmung pendelt zwischen Moll und Fuck off!

Ohne melancholischen Iren (mit Bart) wäre Blue Bird nicht Blue Bird, heuer übernimmt Patrick O'Laoghaire aka I Have A Tribe den Job mit Indie-Folk und einem Gesang, der etwas an Antony Hegarty alias Antony and the Johnsons erinnert. Er ist einer jener Acts, für die das Festival ebenfalls geschätzt wird: die erst zu entdeckenden Musiker und Bands. (Karl Fluch, 21.11.2016)

24.-26. 11., Porgy & Bess, Wien

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Blue Bird Festival

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