Watzke: "Brauchen diesen Tabellenführer nicht"

21. November 2016, 16:28
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BVB-Boss bleibt kritisch: "Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen." Leipzig bleibt gelassen

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat sich erneut kritisch über den deutschen Überraschungstabellenführer RB Leipzig geäußert. "Wir brauchen diesen Tabellenführer nicht", sagte Watzke am Montag auf der BVB-Aktionärsversammlung: "Ich ziehe aber den Hut vor der sportlichen Leistung." Watzke gilt als einer der größten Kritiker des Leipziger Modells.

Watzke hatte schon in der Vorwoche das Leipziger Fußball-Konzept kritisiert. "Bei Rasenballsport, wie sie ja tatsächlich heißen, haben wir das erste Mal – auch im Gegenteil zu Hoffenheim oder Wolfsburg – den Fall, dass da nichts, aber auch gar nichts historisch gewachsen ist", sagte Watzke der "Sport Bild": "Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen."

Gelassene Bullen

Beim Sensationsaufsteiger gibt man sich angesichts der Tabellenführung gelassen. Die Fans spenden spontan Applaus, rufen laut "Bravo", als Trainer Ralph Hasenhüttl am Montag den Trainingsplatz betritt. Der Erfolgscoach winkt lächelnd zurück, schickt die Spieler in die Runde. Locker und entspannt ist die Atmosphäre bei Aufsteiger RB Leipzig, der erstmals als Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga in die neue Woche geht. Die Giftpfeile aus Dortmund im "Dosenkrieg" werden locker ertragen.

"Der Mannschaft ist schon bewusst, dass sie etwas Historisches erreicht hat. So lange als Aufsteiger ungeschlagen zu sein, nehmen wir gerne mit", sagte Erfolgscoach Hasenhüttl, der aber auch auf die Bremse tritt und von einer Dauer-Euphorie nichts wissen will: "Wir laufen jetzt hier nicht die ganze Zeit mit hochgerissenen Armen durch die Gegend."

"Tabelle zum Einrahmen"

Auch die Verbalattacken von Watzke werden eher gelassen zur Kenntnis genommen. "Er hat ja heute wieder zurückgerudert und uns zu unserer sportlichen Leistung gratuliert. Ich beschäftige mich mit Borussia Dortmund erst wieder, wenn wir im Januar oder Februar gegen sie spielen", sagte der Österreicher Hasenhüttl.

In der Stadt rückt die Abneigung vor dem Dosen-Klub ebenfalls mehr und mehr in den Hintergrund. Die größte Regionalzeitung hatte die "Tabelle zum Einrahmen" auf der Titelseite abgedruckt. Die nächsten beiden Heimspiele gegen Schalke 04 und Hertha BSC sind mit je knapp 45.000 Zuschauern ausverkauft, kurz vor Weihnachten steigt der Showdown mit dem Spiel bei den Bayern. (APA, red, sid, 21.11.2016)


  • Hans-Joachim Watzke ist, nona, kein Leipzigfan.
    foto: apa/afp/patrik stollarz

    Hans-Joachim Watzke ist, nona, kein Leipzigfan.

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