Ernst Ellinger: Der "kleine Landpfarrer" und die große Politik

Kopf des Tages21. November 2016, 15:04
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Ernst Ellinger wurde als Pfarrer abgesetzt, weil er die FPÖ kritisiert hatte

Nein, den Mund will er sich nicht verbieten lassen. "Markanter Mist" werde auch als solcher benannt. Er kritisiere dann alle Parteien, auch die eigene Kirche, sagt er. Dass seine Zeit als Pfarrer mit einem Rauswurf enden würde, hat Ernst Ellinger aber selbst nicht für möglich gehalten.

Wo und wann welche Worte tatsächlich gefallen sind, wird vielleicht bald ein Gericht zu klären haben. Gegen Ellinger gibt es jedenfalls eine Anzeige eines FPÖ-Funktionärs, wonach dieser am 13. November während der Messe den verstorbenen Parteichef Jörg Haider und den derzeitigen Hofburg-Kandidaten Norbert Hofer angegriffen haben soll. Von "freiheitlichen Pharisäern" sei da die Rede gewesen, es sei das Wort "Brut" gefallen. Letzteres bestreitet der Priester: "Das gehört nicht zu meinem Wortschatz." Auch habe es nach der Messe noch ein hitziges Einzelgespräch gegeben.

Ungewöhnlich schnell hat die Diözese Linz reagiert und ihn des Amtes als Pfarrer von Mondsee enthoben. "Angenehm ist das nicht", sagt Ellinger, der seit 2008 pensioniert ist und einspringt, wenn ein Pfarrer krank ist, auf Urlaub fährt – oder, wie in diesem Fall, auf Kur weilt. Und, fragt sich der 1937 in Kirchbichl Geborene: "Was ist mit dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der sich für die Wahl Hofers ausgesprochen hat? Ich als kleiner Landpfarrer werde kriminalisiert und von der Kirche im Stich gelassen. Ihm passiert nichts."

Ellinger entstammt einer Tiroler Arbeiterfamilie. Der Vater ist Elektromonteur beim Stromversorger Tiwag, wo auch er nach dem Besuch der Handelsschule Arbeit findet. Ein Schulfreund bringt ihn zur katholischen Arbeiterjugend. Ellinger entdeckt dort seinen Glauben, holt die Matura nach, 1968 tritt er als Kaplan seinen ersten Posten in Schwarzach St. Veit an, wird dort Pfarrer – eine von vielen Stationen.

"Ich bin nicht der Kirche wegen Pfarrer geworden, sondern des Volkes wegen", sagt er – und bezeichnet die Groër-Affäre und die vielen bekannt gewordenen Missbrauchsfälle als die "schlimmste Erfahrung". Er habe "jeden verstanden, der deshalb ausgetreten ist". Als Mitglied der Pfarrer-Initiative tritt er für die Freistellung des Zölibats ein, glaubt, dass so die Nachwuchssorgen der Kirche gelöst wären.

Er selbst ist zurück nach Kufstein gezogen, will "lange überlegen", nochmals als Pfarrer einzuspringen. Ob er mit einem Gerichtsverfahren rechnet? "Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Die Justiz wird doch wohl etwas Besseres zu tun haben." (Peter Mayr, 21.11.2016)

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