Dutzende Babykrokodile im Bauch einer Krokodilsmumie entdeckt

21. November 2016, 14:38
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Neue CT-Scans einer Grabbeigabe, die im niederländischen Leiden ausgestellt ist, brachten eine unerwartete Überraschung ans Licht

Leiden – Seit 1828 beherbergt die ägyptische Abteilung des niederländischen Reichsmuseums der Altertümer in Leiden die drei Meter lange Mumie eines Nilkrokodils. Es dürfte sich um eine Grabbeigabe für einen Verstorbenen und ein Opfer an den Krokodilsgott Sobek handeln, der als Herrscher über das Wasser und auch als Fruchtbarkeitsgott verehrt wurde.

In den 1990er-Jahren ergaben Scans mittels Computertomografie, dass sich im Bauchraum des einbalsamierten Krokodils die Überreste von zwei Jungtieren befanden. Nun erlebten Wissenschafter und Kuratoren in Leiden abermals eine Überraschung.

Mindestens 47 Minimumien

Um für eine neue Ausstellung ein 3-D-Modell der Mumie anzufertigen, scannte ein schwedisches Team die Mumie erneut– und stieß diesmal auf mindestens 47 ebenfalls mummifizierte Jungtiere in der Mumie. "Man sieht sie auf den alten Scans kaum, wenn man nicht weiß, dass sie da sind", sagte die Kuratorin der Ausstellung, Lara Weiss.

Trotz der technischen Fortschritte seit der letzten Untersuchung habe man eigentlich keine neuen Entdeckungen erwartet, so Weiss. Vielmehr sollten die Aufnahmen dazu dienen, ein Modell zu erstellen, an dem Besucher eine "interaktive virtuelle Autopsie" vornehmen und jede einzelne Schicht untersuchen können. "Es war eine riesige Überraschung, dass durch die Hightech-3D-Scans so viele Babykrokodile sichtbar wurden."

Ausgestopfte Opfergabe

Die Minimumien liegen dicht an- und teilweise übereinander und füllen den Bauchraum des großen Krokodils aus. Zusätzlich entdeckten die Wissenschafter noch weiteres "Füllmaterial": Überreste von Holz, Pflanzen und Stoffen, die möglicherweise dazu dienten, die Mumie auszupolstern und größer erscheinen zu lassen.

Die alten Ägypter gaben ihren Verstorbenen häufig Tiermumien mit ins Grab. Die gemeinsame Verwendung alter und junger Krokodilsmumien dürfte den Glauben an ein Leben nach dem Tod widerspiegeln, so die Wissenschafter. (red, 21. 11. 2016)

  • Die Scans enthüllten dutzende Babykrokodile im Bauchraum der Mumie.

    Die Scans enthüllten dutzende Babykrokodile im Bauchraum der Mumie.

  • Virtuelles Modell: Große Mumie (rot), Minimumien im Inneren (blau).

    Virtuelles Modell: Große Mumie (rot), Minimumien im Inneren (blau).

  • Krokodilsmumie im Computertomografen.
    foto: mike bink

    Krokodilsmumie im Computertomografen.

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