Hausärzte: Rabmer-Koller steht zu geplanten Reformen

21. November 2016, 12:57
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Hauptverbands-Chefin will Hausarzt stärken und Primärversorgung als Ergänzung – Drei Viertel der Gemeinden ohne Hausarzt sehen große Probleme

Wien – Die Vorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, verteidigt die im Zuge des Finanzausgleichs vorgesehenen Reformen im Gesundheitsbereich gegen die Kritik der Ärzte. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer betonte Rabmer-Koller am Montag, dass es um eine Stärkung der Hausärzte gehe und nicht um ein Konkurrenz.

Die geplante medizinische Primärversorgung solle die Einzelpraxen nicht ersetzen sondern ergänzen. Man müsse die Hausärzte stärken, aber daneben alternative Formen der Versorgung aufbauen, betonte Rabmer-Koller. Mödlhammer bot den Gemeindebund als Mediator im Streit mit der Ärztekammer an. Er wolle sich bemühen, die Gesprächsbasis zu erhalten.

Rabmer-Koller sieht Raum für Klarstellungen

Zu möglichen Kompromissen meinte der Gemeindebund-Präsident, im parlamentarischen Prozess seien immer Veränderungen möglich, wie bei jedem Gesetz. Rabmer-Koller gab sich da etwas zurückhaltender und meinte, dass vielleicht noch "Klarstellungen" denkbar seien. Sie betonte, dass die Sozialversicherung gemeinsam mit der Ärztekammer das System weiterentwickeln wolle. Sie sehe die Ärzte nicht als Gegner sondern als Partner, allerdings brauche es dazu auch die Bereitschaft der Ärztekammer. Sie appellierte deshalb an diese, zu den Gesprächen zurückzukommen und die Patienten nicht zu verunsichern.

Die Notwendigkeit zu Reformen leitet Rabmer-Koller auch aus einer präsentierten Umfrage ab. Demnach glauben 87,4 Prozent der Bürgermeister, dass die Bevölkerung "sehr" oder "eher zufrieden" mit der medizinischen Versorgung ist. Allerdings sehen 58 Prozent der Gemeinden große Herausforderungen für die Zukunft der medizinischen Versorgung. In Gemeinden, in denen ein Hausarzt vorhanden ist, sind es knapp 55 Prozent, in Gemeinden ohne praktischen Kassenarzt steigt dieser Wert jedoch auf 74,7 Prozent, die sich Sorgen um die künftige Versorgung machen und große Probleme sehen. Primärversorgungseinheiten halten knapp 60 Prozent der Bürgermeister für sinnvoll, und 64 Prozent würden solche auch unterstützen. Von den 2.100 Kommunen haben 1.538 Bürgermeister an der Online-Befragung über das Intranet-Portal www.kommunalnet.at vollständig teilgenommen.

Nachbesetzungen schwierig

Rabmer-Koller und Mödlhammer verwiesen darauf, dass es jetzt schon schwierig sei, Hausarztstellen in manchen Gemeinden nachzubesetzen, und sich das Problem mit der anstehenden Pensionierungswelle der Mediziner verschärfen werde. Deshalb will die Hauptverbands-Chefin die Hausärzte stärken, aber zusätzlich auch neue Versorgungsformen schaffen. Für ersteres bekräftigte sie ihren Vorschlag für eine Reform der Honorarordnungen. Statt der derzeit üblichen Verrechnung von Einzelleistungen will sie künftig sowohl für die Primärversorgungseinheiten als auch bei Allgemeinmedizinern verstärkt auf Pauschalen setzen. So schwebt ihr eine Pauschale für Infrastruktur vor, also etwa für Geräte in der Ordination, für E-Health oder für längere Öffnungszeiten. Zweitens strebt sie Fallpauschalen und drittens auch eine leistungsabhängige Komponente an. So könnte es eine Zielerreichungsprämie für den Arzt geben, wenn etwa ein Diabetespatient seine Lebensweise ändert und seine Werte verbessert.

Ähnliches kann sich Rabmer-Koller auch für die Versicherten vorstellen. Auf die Frage, ob auch für Patienten Vorsorgeleistungen honoriert werden könnten, meinte sie, positive Anreize seien immer sinnvoll. Es brauche eine Sensibilisierung der Menschen, dass sie sich auch ihrer Eigenverantwortung bewusst werden. Das Modell der SVA der gewerblichen Wirtschaft lässt sich nach Ansicht der Hauptverbands-Chefin aber nicht auf alle Kassen ausrollen, da dieses auch einen Selbstbehalt vorsieht. Aber Anreizmodelle zu schaffen hätte ihrer Ansicht nach durchaus Sinn. (APA, 21.11.2016)

  • Hauptverbandschefin Ulrike Rabmer-Koller will das Honorarsystem für Ärzte reformieren.
    foto: andy urban

    Hauptverbandschefin Ulrike Rabmer-Koller will das Honorarsystem für Ärzte reformieren.

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