Ö1-Reform: Betriebsrat begründete Enthaltung im Stiftungsrat

21. November 2016, 12:11
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Kritik an Einsparungen auf Kosten der Freien und "Drüberfahren" des Managements

Wien – Der Zentralbetriebsrat des ORF hat in einem Schreiben an die Ö1-Mitarbeiter die Gründe dargelegt, warum sich seine Vertreter im ORF-Stiftungsrat bei der Abstimmung über das neue Programmschema des Kultursenders enthalten haben. Das Schreiben liegt dem STANDARD vor. Die Belegschaftsvertreter sehen Einsparungen vor allem zu Lasten der Freien Mitarbeiter, einige offene Fragen und kritisieren "Drüberfahren" des Managements.

"Sehr wohl auch Sparpaket"

"Entgegen anderslautenden Erklärungen der Programmverantwortlichen ist diese Reform sehr wohl auch ein Sparpaket", so Gerhard Moser, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats, "verschiedene Quellen sprechen von 300.000 bis 400.000 Euro Einsparungen jährlich." Diese Einsparungen würde insbesondere die "Freien" treffen. Er verweist hier bei der "Klassiknacht" auf die Umstellung auf automatisierte Abläufe und die Streichung von Sendungen wie "Nachtquartier" oder "Cafe Sonntag".

Außerdem sei einiges im neuen Schema noch unklar – etwa, wie hoch der Musikanteil in der neuen Fläche im Anschluss an das "Mittagsjournal" nun wirklich sein soll. Auch der Sendeplatz des neuen geplanten Medienmagazins sei offen, ebenso wie die "dezidierte inhaltliche Ausrichtung".

Die Zielsetzung, die Kapazitäten verstärkt auf publikumsrelevante Tageszonen zu konzentrieren stehe "in einem auffälligen Widerspruch" zum geplanten "Ö1-Kunstsonntag", der von 19 bis 24 Uhr Sendungen wie "Contra" und "Tonspuren" aber auch "eine fragwürdige Fusion" von "Kunstradio" und "Hörspielstudio" bündeln soll.

"Drüberfahren"

Der Betriebsrat stößt sich auch daran, dass in der Präambel des neuen Schemas von "größtmöglicher Einbindung der MitarbeiterInnen von Ö1" die Rede sei. Jedoch "konnten sich insbesondere Redakteurssprecher als auch hellhörige Zeitgenossen im Stiftungsrat davon überzeugen, dass zumindest in der Schlussphase dieses Prozesses das gelegentlich überhebliche Ignorieren von Einwänden, also das 'Drüberfahren', gängige Managementpraxis zu sein scheint".

Der Zentralbetriebsrat hielt in seinem am Montag verschickten Schreiben fest, dass man sich mitnichten "grundsätzlich gegen Änderungen/Adaptionen von Programmschemata" wehre. Ein Auslöser der Stellungnahme sei aber auch ein Brief, den wiederum Ö1-Chef Peter Klein Ende vergangener Woche an die Mitarbeiter geschickt hatte. "Ich möchte mich ausdrücklich bei allen bedanken, die konstruktiv an der Entwicklung des neuen Schemas mitgewirkt haben", so Klein in diesem der APA ebenfalls vorliegendem Schreiben. Er zeigte sich "zutiefst davon überzeugt, dass das optimierte Programm von Ö1 besser sein wird als das bestehende". (APA, red, 21.11.2016)

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