Canadi übt scharfe Kritik an Rapid-Legionären

21. November 2016, 11:30
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Nach 1:2-Niederlage gegen Red Bull Salzburg: Ausländer müssen "um 20 Prozent" besser sein als Österreicher – Sport-Geschäftsführer soll bald gefunden werden

Salzburg – Bei Fußball-Rekordmeister Rapid ist der erhoffte Trainereffekt vorerst ausgeblieben. Im ersten Spiel unter Neo-Coach Damir Canadi kassierten die Wiener mit einem völlig verdienten 1:2 bei Meister Salzburg den nächsten Rückschlag im Kampf um die Europacupplätze. "Es macht mich gesamt nicht glücklich, was ich gesehen habe. Es wartet sehr viel Arbeit auf mich", sagte Canadi nach seinem Debüt.

Vor allem die erste Hälfte war für die Hütteldorfer zum Vergessen. Mit dem aggressiven Forechecking der Gastgeber kamen sie überhaupt nicht zurecht, wurden von den "Bullen" richtiggehend vorgeführt und konnten sich selbst in der Offensive nicht zeigen. Nur Tormann Richard Strebinger hatten sie es zu verdanken, dass es lediglich einen 0:2-Pausenrückstand gab. "In der ersten Hälfte war ich in keiner Phase zufrieden. Egal ob mit der Technik, dem Tempospiel oder dem Spiel gegen den Ball", analysierte der Ex-Altach-Trainer.

"Mission 33" in weiter Ferne

Nach dem Seitenwechsel habe man zwar besser agiert, es aber nicht geschafft Chancen zu kreieren. "Es haben viele Dinge gefehlt, um in Salzburg etwas mitzunehmen", war sich Canadi bewusst. Die "Mission 33" entfernte sich dadurch noch weiter. Der Rückstand auf das Führungsduo Sturm Graz und Altach wuchs auf zehn Punkte an, aber auch Salzburg und der Lokalrivale Austria sind bereits acht Zähler voraus. Damit sind gar die drei fixen Europacupränge in weiter Ferne. "An die Meisterschaft zu denken, brauchen wir überhaupt nicht. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen und schnellstmöglich wieder in die Spur finden", sprach Offensivspieler Louis Schaub Klartext.

Von Rapids Saison-Toptorschützen war genauso wie von seinen Offensivkollegen in Wals-Siezenheim kaum etwas zu sehen. Das Experiment mit Joelinton als "Zehner" beendete Canadi nach 33 Minuten. Dass er seine Truppe vielleicht zu offensiv ins Rennen geschickt habe, wollte Rapids Coach aber nicht bestätigen. "Das war nicht zu mutig. Die Grundtugenden haben gefehlt, ob es die Einstellung ist, die Disziplin oder der nötige Siegeswille", schilderte der Wiener seine Sicht. Zudem ortete er auch konditionelle Mängel. "Phasenweise hatte ich das Gefühl, dass die Mannschaft am letzten Zacken war", so Canadi.

"Ausländer müssen um 20 Prozent besser sein"

Hart ins Gericht ging er gleich nach seinem ersten Spiel mit seinen Legionären, den nach 33 Minuten eingewechselten Srdjan Grahovac ausgenommen. "Vor allem mit der Leistung der Ausländer war ich nicht zufrieden. Sie müssen um 20 Prozent besser sein, als unsere Spieler. Wenn ein Ausländer gleichwertig ist, dann spielt der Österreicher", sprach Canadi.

Die Kritik richtete sich vor allem auch in Richtung von Ivan Mocinic, für den nach 67 Minuten ÖFB-U19-Teamspieler Philipp Malicsek zu seinem zweiten Saisoneinsatz kam. Auch unter Vorgänger Mike Büskens hatte der Kroate noch nicht sein volles Potenzial ausschöpfen können. Mit dem bisher ebenfalls enttäuschenden Arnor Ingvi Traustason – zuletzt mit dem isländischen Team unterwegs – stand ein weiterer Legionär nicht einmal im Kader.

"Das hat mir grundsätzlich nicht gefallen"

Heimische Alternativen gibt im Angriff vorerst nicht wirklich so. Joelinton, Giorgi Kvilitaia, Matej Jelic oder Tomi, dem Canadi überraschend zum ersten Saisoneinsatz verhalf, besitzen alle nicht die heimische Staatsbürgerschaft.

Tomi war es, der nach seinem Elfmetertor (92.) einen Tumult einleitete, in dem er versuchte, Goalie Alexander Walke den Ball aus der Hand zu reißen. Danach gingen die Wogen auf beiden Seiten hoch. Salzburgs Paolo Miranda hatte Glück, mit zweimal Gelb davonzukommen, Rapids Ersatzkapitän Mario Sonnleitner wird nach Rot zumindest zwei Partien zuschauen müssen. "Das hat mir grundsätzlich nicht gefallen, war unnötig", sagte Canadi.

Sonnleitner fehlt

Sonnleitner fehlt damit am Sonntag zu Hause gegen Sturm. Auch der Einsatz von Offensivspieler Thomas Murg scheint fraglich, musste er doch verletzt vom Platz. In den Köpfen der Rapid-Verantwortlichen ist das Duell mit den Steirern aber noch weit weg, gilt es doch zuerst am Donnerstag bei KRC Genk die Europa-League-Aufstiegschance zu wahren. "Das Schöne ist, dass wir bereits am Donnerstag die nächste Chance haben, es wieder gutzumachen", hoffte Canadi auf eine Steigerung im Europacup.

Dort noch nicht dabei sein wird ein neuer Geschäftsführer Sport. Ein Nachfolger des beurlaubten Andreas Müller soll aber bald gefunden sein. "Es gibt jetzt eine Longlist, das wird dann reduziert auf eine Shortlist mit entsprechenden Hearings, und ich gehe davon aus, dass wir das so rasch wie möglich besetzen. Ich möchte mich jetzt aber nicht auf ein Datum festlegen, Qualität geht vor Geschwindigkeit", gab Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek im Sky-Interview Einblick. (APA; 21.11.2016)

  • Rapid stand im Spitzenspiel bei Red Bull Salzburg auf verlorenem Posten.
    foto: apa/krug

    Rapid stand im Spitzenspiel bei Red Bull Salzburg auf verlorenem Posten.

  • Neo-Trainer Damir Canadi: "Phasenweise hatte ich das Gefühl, dass die Mannschaft am letzten Zacken war".

    Neo-Trainer Damir Canadi: "Phasenweise hatte ich das Gefühl, dass die Mannschaft am letzten Zacken war".

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