Diagnosen: Rückgang von Tuberkulose in Österreich

21. November 2016, 11:24
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Der Jahresbericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssichertheit attestiert weniger Tuberkulosefälle in Österreich

Die Tuberkulose wird weiterhin für Österreich ein immer kleineres Problem. Die Zahl der Fälle ist 2015 zurückgegangen. Das stabile Bild wird auch nicht durch die Kriegsflüchtlinge beeinträchtigt. Das zeigte der gerade fertig gewordene Jahresbericht der "Nationalen Referenzzentrale für Tuberkulose" der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

"Im Jahr 2015 wurden 583 Fälle von Tuberkulose (451 bestätigte, 52 wahrscheinliche und 80 mögliche Fälle) in der österreichischen Bevölkerung registriert, das entspricht einer Inzidenz von 6,8 je 100.000 Einwohner", heißt es in dem Report von Alexander Indra und Daniela Schmid (AGES). An deren Labor laufen die Untersuchungen zur Bestätigung eines TB-Verdachts, auch die per Gensequenzierung durchgeführte Klassifikation der Erregerstämme und ihres allfälligen Resistenzmusters. 2014 waren es 586 Erkrankungen (446 bestätigte, 74 wahrscheinlich, 66 möglich) gewesen.

Im Grunde genommen wird in Österreich seit Jahrzehnten ein Rückgang der Tuberkuloseerkrankungen beobachtet. Die TB ist die Krankheit der Armut, des Krieges und der Geflüchteten. So waren beispielsweise auf dem Gebiet der nunmehrigen Republik Österreich noch 1914 in der Habsburgermonarchie rund 25 Prozent der Todesfälle auf die "Schwindsucht" zurückzuführen.

Im Abwärtstrend

Die Kriegsflüchtlinge, die vergangenes Jahr zum größten Teil durch Österreich nach Deutschland gelangten – dort kamen rund 900.000 Menschen an – bzw. die an die 90.000 Asylwerber in Österreich haben in der Gesamtbevölkerung und auch bei der Gruppe der Menschen ohne österreichischem Geburtsort zu keiner negativen Entwicklung geführt.

Unter den in Österreich geborenen ist die Häufigkeit einer neu registrierten TB-Erkrankung pro 100.000 Einwohner von 6,8 im Jahr 2008 auf beispielsweise 4,6 im Jahr 2011 und weiter stetig nach unten gegangen. 2015 erreichte sie einen Wert von 2,6. In der Gesamtbevölkerung ist ein ähnlicher, etwas schwächerer Abwärtstrend zu beobachten: 2008 waren es 9,6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, 2011 dann 8,1 und 2015 schließlich 6,7. Damit zählt Österreich zu den Ländern mit geringer Tuberkulose-Häufigkeit.

Unter Menschen, die nicht in Österreich geboren worden sind, zeigt sich eine deutlich höhere TB-Inzidenz, doch die ist trotz der Vielzahl der Flüchtlinge in der jüngeren Vergangenheit stabil geblieben.

Die Daten der AGES zeigen eine Neuerkrankungshäufigkeit von 25,5 pro 100.000 im Jahr 2008. Nach einem Rückgang erreichte diese Quote dann 26,9/100.000 im Jahr 2011, um 2015 einen Wert von 25 je 100.000 zu erreichen. 32 Prozent der TB-Fälle wurden 2015 unter den in Österreich Geborenen registriert, 31 Prozent unter Menschen aus der WHO-Region Europa (exklusive Österreich, in die Region fallen auch Russland und zentralasiatische Staaten). Auch in der zweiten Gruppe zeigte sich eine Verringerung der Tuberkulose-Häufigkeit.

Von Land zu Land unterschiedlich

Dass die Kriegsflüchtlinge im Gegensatz zu den Befürchtungen mancher Politiker und in Medien geäußerten Ängsten in Österreich nicht zu einer Änderung der Situation geführt haben, ist laut den Experten auch dadurch bedingt, dass beispielsweise Syrien und der Irak zu jenen Ländern gehören, wo die Tuberkulose selten auftrat. Anders ist das in dem seit Jahrzehnten von anhaltendem Krieg heimgesuchten Afghanistan der Fall, ebenso bei Menschen aus dem "failed State" Somalia. Experten verweisen auch immer wieder darauf, dass oft jahrelange Flucht unter unmenschlichen Bedingungen und Massenquartiere erst Recht eine Ansteckungsgefahr für ursprünglich Gesunde darstellen.

Obwohl es jährlich nur wenige Fälle sind, zeichnet sich auch bei multiresistenten und gegen die medikamentöse Behandlung extrem resistenten TB-Fällen ein Rückgang ab. 2011 wurden 27 registriert, vergangenes Jahr waren es zwölf. Da fiel nur eine Erkrankung unter die Kategorie der extrem resistenten TB, 2011 waren es sieben. (APA, 21.11.2016)

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