Präsidentenwahl in Haiti verlief ohne Zwischenfälle

21. November 2016, 06:16
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Urnengang könnte politischen Stillstand beenden. Wer gewinnt, ist noch völlig unklar

Port-au-Prince – Nach Monaten der politischen Unsicherheit haben die Haitianer einen neuen Präsidenten gewählt. Die Abstimmung sei ruhig verlaufen, sagte der Leiter der Beobachtungsmission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Juan Raul Ferreira, am Sonntag. Es habe lediglich vereinzelte Zwischenfälle gegeben. "Das war ein erfolgreicher Wahltag", sagte Interimspräsident Jocelerme Privert.

Mindestens 14 Menschen wurden festgenommen und vier Fahrzeuge beschlagnahmt, wie der Leiter des Wahlamts, Leopold Berlanger, sagte. In Port Margot habe ein Mann versucht, ein Wahllokal in Brand zu stecken. Insgesamt sei der Wahltag aber ruhig verlaufen.

Mit einen Wahlergebnis wird erst Anfang Dezember gerechnet. Sollte in der ersten Runde keiner der 27 Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, findet im Jänner kommenden Jahres eine Stichwahl statt. Rund 5,8 Millionen Haitianer waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Politische Dauerkrise

Der völlig verarmte Karibikstaat leidet unter einer politischen Dauerkrise. Die Wahl vom vergangenen Jahr war wegen Manipulationsvorwürfen annulliert worden. Die EU und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hielten die Wahl hingegen für grundsätzlich frei und fair. Sie vermuteten, dass die Opposition durch ihre Proteste das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte.

Seit der frühere Staatschef Michel Martelly im Februar ohne gewählten Nachfolger aus dem Amt schied, regiert Übergangspräsident Privert das Land. "Wenn das Land politisch blockiert bleibt, werden die dringendsten Bedürfnisse der Menschen weiterhin vernachlässigt", sagte Astrid Hasfura von dem Analyseunternehmen Global Risk Insights.

Große Armut

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Drei Viertel der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar am Tag. "Diese Wahl ist sehr wichtig für die politische Stabilität in Haiti", sagte Interimspräsident Privert.

27 Kandidaten bewarben sich am Sonntag um das höchste Staatsamt. Gute Chancen haben der vermögende Agrarunternehmer Jovenel Moïse, der erfahrene Politiker Jude Celestin von der Partei Lapeh und die Ärztin Maryse Narcisse.

Wirkliche ideologische Unterschiede zwischen den politischen Gruppen sind nur schwer auszumachen, es handelt sich eher um Wahlvereine für einzelne Politiker. "Sie repräsentieren eigentlich niemanden außer sich selbst", sagte der Direktor des Haiti Democracy Project, James Morrell. (APA, 21.11.2016)

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