Syrien: Spitäler in Ostaleppo können nicht mehr helfen

20. November 2016, 18:23
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UN-Sondergesandter De Mistura blitzte in Damaskus mit seinem Vorschlag für eine Autonomieverwaltung ab

Damaskus/Wien – Die Geschichte der fehlgeschlagenen Versuche, den Bürgerkrieg in Syrien auf diplomatischem Weg zu beenden oder wenigstens einzudämmen, wurde am Sonntag um ein kurzes Kapitel reicher. Im Gespräch mit dem syrischen Außenminister Walid al-Muallem hatte der UN-Sondergesandte Staffan De Mistura vorgeschlagen, den umkämpften Ostteil von Aleppo, der nach wie vor von Rebellen kontrolliert wird, unter autonome Verwaltung zu stellen. Die Antwort kam prompt: Damaskus habe die Idee "komplett zurückgewiesen", sagte der Außenminister unmittelbar nach dem Treffen auf einer Pressekonferenz. Der Vorschlag stelle "eine Verletzung unserer Souveränität dar".

Für die Zivilbevölkerung in Aleppo wird die Lage einstweilen immer prekärer. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben am Sonntag sieben Kinder durch Granaten, die von Aufständischen abgefeuert wurden und eine Schule trafen. In der Nacht zuvor seien sechs Mitglieder einer Familie, darunter vier Kinder, getötet worden, als Regime-Helikopter Fassbomben über dem Ostteil der Stadt abwarfen. Bei einer ähnlichen Attacke in einem anderen Bezirk des belagerten Ostteils seien weitere vier Zivilisten getötet worden. Am Samstag hatten bei massiven Angriffen auf die belagerten Rebellenviertel mindestens 31 Menschen ihr Leben verloren.

Gesundheitsversorgung zusammengebrochen

Die zahlreichen Verletzten dürfen indes kaum mehr auf medizinische Versorgung hoffen. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wurden bei den jüngsten Angriffen der Regierungstruppen auch mehrere Krankenhäuser in Ostaleppo direkt getroffen. Die Gesundheitsbehörde Aleppos teilte mit, dass dort nach den tagelangen Luftangriffen kein einziges Krankenhaus mehr funktionstüchtig sei. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte die Angaben.

Die USA haben den Beschuss von Krankenhäusern am Samstag scharf verurteilt. Die Nationale Sicherheitsberaterin von Präsident Barack Obama, Susan Rice, forderte die sofortige Einstellung der Bombardierungen. Zugleich rief sie Russland auf, sich um eine Deeskalation der Gewalt zu bemühen. Die russische und die syrische Regierung haben Vorwürfe zurückgewiesen, Krankenhäuser absichtlich ins Visier zu nehmen. Moskau ist der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im Kampf gegen die Rebellen.

Verunsicherung bei Rebellen

In deren Reihen herrscht seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten vermehrt Verunsicherung. Trump hatte neben einer Annäherung an Russland eine Abkehr von der Unterstützung für Rebellen angedeutet. Assad bezeichnete in einem Interview vergangene Woche Trump als möglichen Verbündeten. (schub, red, 20.11.2016)

  • Unter der Bevölkerung im Ostteil Aleppos herrschte nach den erneuten Angriffen am Wochenende pure Verzweiflung.
    foto: afp / ameer alhalbi

    Unter der Bevölkerung im Ostteil Aleppos herrschte nach den erneuten Angriffen am Wochenende pure Verzweiflung.

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