Demokraten auf der Suche nach Haltung

20. November 2016, 18:00
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Die Demokraten arbeiten an einer Strategie im Umgang mit Donald Trump. Unklar ist, ob sie den Kampf gegen oder das Gespräch mit ihm suchen sollen

Zehn Tage soll Barack Obama seinen Mitarbeitern gegeben haben, um den Sieg von Donald Trump zu verarbeiten. "Es ist in Ordnung, aufgebracht, traurig und entmutigt zu sein – für eine Weile zumindest", hat der scheidende Präsident laut dem US-Politmagazin Politico seinem Team mitgeteilt. "Ich gebe euch eineinhalb Wochen, dann muss das verdaut sein."

Die zehn Tage sind vorüber, und nun müssen sie dem Wunsch ihres Chefs gemäß alles daransetzen, um eine friedliche Übergabe der Macht zu garantieren. Zumal Trump wesentlich umfangreicher beraten werden müsse als erwartet, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus berichtet.

Nicht ein schlechtes Wort hat Obama bisher bei offiziellen Terminen über Trump seit dessen Wahlsieg verloren. Differenzen, ja, die gebe es, aber Obama wird nicht müde, den Amerikanern und dem Rest der Welt einzubläuen, Trump nicht vorab zu verurteilen, sondern ihm erst einmal eine Chance zu geben. Zuletzt beim Gipfel des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Peru: "Man regiert nicht immer, wie man Wahlkampf gemacht hat", versuchte der scheidende US-Präsident einmal mehr zu beschwichtigen. Obama, berichten seine Mitarbeiter dem Insidermagazin Politico, wolle sich zuerst auf die Machtübergabe konzentrieren und sich erst nach dem 20. Jänner, wenn Trump sein Amt antritt, in die Schlacht stürzen, die bei den Demokraten seit ihrer Niederlage im Gange ist. Denn diese suchen derzeit nicht nur nach neuem Führungspersonal, sondern auch nach einer Strategie im Umgang mit Trump.

Sanders kämpft weiter

Zwei Lager bringen sich dort gerade in Stellung: jenes, das Trump bekämpft, und jenes, das Gemeinsamkeiten finden will. Laut einem Bericht der New York Times lotet Charles Schumer, frischgewählter Minderheitsführer der Demokraten im Senat, populäre Initiati- ven aus, die auch Trump gefallen könnten, etwa staatlich finanzierte Bauvorhaben oder höhere Kinderfreibeträge.

In Schumers neues Führungsteam wurde auch Bernie Sanders berufen, der linksliberale Senator aus Vermont, der Hillary Clinton in den demokratischen Vorwahlen mächtig zugesetzt hatte und dem es auch weiterhin gelingt, große Anhängerschaften hinter sich zu scharen. Sanders hat angekündigt, mit Trump zusammenzuarbeiten, wenn dieser den Armen und der Mittelschicht hilft. Gleichzeitig will Sanders dafür kämpfen, auf die Einhaltung von Trumps Versprechen zu pochen.

Wenn man aber den härtesten Trump-Gegnern bei den Demokraten ein Gesicht geben möchte, dann wäre es jenes von Keith Ellison: Der Abgeordnete aus Minnesota tritt nun an, neuer Vorsitzender des Democratic National Committee (DNC) zu werden, der nationalen Organisation der Demokraten. "Wir sollten uns alle wieder in Aktivisten verwandeln", forderte Ellison am Wochenende bei einer Konferenz der Demokraten in Kalifornien.

Trump-Team

Unterdessen bleibt weiter offen, wer künftig den Posten des Außenministers bekleiden wird. Als ein Kandidat gilt der frühere Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney. Allerdings sei Trump auch mit anderen potenziellen Anwärtern im Gespräch, sagte sein Stabschef Reince Priebus dem US-Fernsehsender ABC. (Anna Giulia Fink, 20.11.2016)

  • Bernie Sanders, unabhängiger Senator aus Vermont, will damit weitermachen, womit er nach der Nominierung Hillary Clintons aufgehört hat. Seine Anhänger (hier in Washington, D.C.) stehen weiter treu hinter ihm.
    foto: afp / getty images / mark wilson

    Bernie Sanders, unabhängiger Senator aus Vermont, will damit weitermachen, womit er nach der Nominierung Hillary Clintons aufgehört hat. Seine Anhänger (hier in Washington, D.C.) stehen weiter treu hinter ihm.

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