Lahav Shani: Herrn Figaros Grenzgang

20. November 2016, 21:45
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Der israelische Dirigent als fantasievoller Gestalter

Wien – Wenn bei einem Künstler das Geburtsjahr im Lebenslauf angeführt wird, dann nur, wenn dies noch als bemerkenswertes Positivum gesehen wird. Bei Lahav Shani ist das der Fall: Er wurde 1989 in Tel Aviv geboren und später in Berlin als Dirigent ausgebildet, unter anderem von Daniel Barenboim.

Noch lange keine 30 Jahre alt, absolviert der junge Israeli Debüts bei renommierten Orchestern (u. a. Wiener Philharmoniker, Staatskapelle Dresden). In der Spielzeit 2017/18 wird er als Hauptgastdirigent der Symphoniker fungieren, nachdem er das Orchester im Jänner auf einer Europa-Tournee geleitet hat.

Endlose Weiten

Im Konzerthaus eröffnete Shani mit einer Figaro-Ouvertüre, deren Hurtigkeit die Holzbläser fast überforderte. Entspannter ging es beim 1. Satz von Aaron Coplands Klarinettenkonzert zu, im langsamen Dreiertakt. Sabine Meyer bot einen weichen und doch tragfähigen Ton, die elegante Solistin interpretierte die Cadenza mit routinierter Variabilität und tänzelte sich schalkhaft durch den Finalsatz.

In den endlosen Weiten von Schuberts großer C-Dur Symphonie bewies sich Shani als ein fantasievoller Gestalter: Eleganz, Elan und Esprit dominierten den Kopfsatz, Passagen von militärischer Wucht boten Abwechslung. Im langsamen Satz animierte er die Holzbläser zu einer sinnlichen Themenpräsentation, das Scherzo war zwischen Robustheit und Raffinement aufgespannt. Wieselflink, spritzig, vor Euphorie und Dynamik berstend wurde finalisiert. Ein guter Mann. (Stefan Ender, 20.11.2016)

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